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Börsen-Zeitung: Alles aus einer Hand, Kommentar zu SAP von Sebastian Schmid

Frankfurt (ots) – Wenn es eines gäbe, das er in seinen vielen Gesprächen mit Konzernlenkern immer wieder zu hören bekomme, dann, dass diese nicht noch mehr IT-Partner haben wollen, erzählt SAP-Chef Bill McDermott. Aus der Überzeugung, dass die Bequemlichkeit bei den meisten Firmen obsiegt, möglichst nur einen Ansprechpartner zu haben, füllt SAP die weniger werdenden Lücken im Portfolio konsequent.

Glaubt man den Analysten von Gartner, ist die jetzt erworbene Callidus diesbezüglich ein echter Glücksgriff. Das US-Unternehmen mit kaum 200 Mill. Dollar Jahresumsatz zählt mit seiner Produktsuite “Lead to Money” den Marktforschern zufolge gleich in zwei Kategorien zu den führenden Anbietern. Während SAP bislang bestenfalls im Mittelfeld rangierte, ist ausgerechnet Erzrivale Oracle hier bereits gut aufgestellt.

Insofern trifft die Primäranforderung, die Finanzvorstand Luka Mucic seit Jahren an ein Übernahmeziel stellt, bei Callidus vollends zu: Bestenfalls sollte das Target komplementäre Technologie bieten. Dass der 12-fache Umsatz geboten wird, erscheint auf den ersten Blick dennoch großzügig. Allerdings ist das kalifornische Unternehmen bislang vor allem in den USA am Start und kann künftig mit dem globalen Vertriebsnetzwerk von SAP wohl deutlich schneller wachsen, als die knapp 30% jährlich, die zuletzt auf eigene Faust geglückt waren. Da kann der Dax-Konzern der künftigen Tochter auch gleich zeigen, wie gut er selbst die Kunst beherrscht, “zum Geld zu führen”.

Wie schon beim 2014 erworbenen Reisekostenabrechnungs-Spezialisten Concur hat SAP auch die Anwendungen aus der Cloud von Callidus im eigenen Haus im Einsatz. Die Walldorfer dürften also über die Vor- und Nachteile der akquirierten Technologie umfassend im Bilde sein. Auch das Motto Simplifizierung, das der Strategie, möglichst viel aus einer Hand anzubieten, zugrunde liegt, nimmt sich SAP auch selbst zu Herzen. So hat der Konzern praktisch das komplette geistige Eigentum nach Walldorf transferiert – zur Vereinfachung.

Mit der Vereinfachung, die SAP dem Kunden bieten will, geht der Konzern allerdings auch ein Risiko ein. Technologische Entwicklungen kommen oft rasant. Wer gestern noch zu den Technologieführern zählte, kann morgen schon überholt sein. Wer alles aus einer Hand bieten will, muss da im Zweifel immer wieder punktuell nachkaufen. Auch wenn SAP aktuell kaum Bedarf ausmacht, dürfte dies kein Befund von Dauer sein. Callidus ist nur der jüngste, aber sicher nicht der letzte Milliardendeal von SAP.

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