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Börsen-Zeitung: Amazons neuer Gegner / Kommentar zum Warenhausriesen Karstadt/Kaufhof von Christoph Ruhkamp

Frankfurt (ots) – Karstadt und Kaufhof mögen zusammen einen “Warenhausriesen” bilden. Im gesamten Handel sind sie – bei aller Bekanntheit der beiden über hundert Jahre alten Marken – nur noch ein Zwerg. Allein der Online-Händler Amazon wird 2018 mit rund 10 Mrd. Euro Umsatz in Deutschland doppelt so viel einfahren wie Karstadt und Kaufhof zusammen.

Für die 32000 Beschäftigten des fusionierten Kaufhauskonzerns sind das keine guten Nachrichten. Nach der Vereinbarung bei Karstadt von Ende 2016 wird die Gewerkschaft Verdi auch bei Kaufhof einem Sanierungstarifvertrag zustimmen müssen, bei dem auf Teile von Weihnachts- oder Urlaubsgeld verzichtet wird. Dadurch könnte der Verlust von Kaufhof, der zuletzt bei fast 100 Mill. Euro lag, um die Hälfte reduziert werden. Damit das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt, muss Konzernchef Stephan Fanderl weitere Schritte gehen: Die Schließung der Karstadt-Zentrale in Essen steht ebenso zur Debatte wie die Schließung einzelner konkurrierender Filialen. Ganz sicher wird es Kostensenkungen aus einem gemeinsamen Einkauf und der Logistik geben.

Für den kanadischen Kaufhof-Eigentümer HBC, die traditionsreiche und börsennotierte Hudson’s Bay Company, sieht der Deal am Ende nicht mehr ganz so schlecht aus, wie viele vermuteten. Das operative Geschäft von Kaufhof erhält bei dem Zusammenschluss eine höhere Bewertung als das von Karstadt.

Außerdem liegt allein der Wert der deutschen HBC-Immobilien, die zur Hälfte an den Karstadt-Eigentümer Signa des Unternehmers René Benko verkauft werden, bei 3,25 Mrd. Euro. HBC hatte Kaufhof 2015 für 2,5 Mrd. Euro von der Metro erworben. Jetzt fließen den Kanadiern unter dem Strich noch mehr als 400 Mill. Euro aus dem Deal zu. Das Geld reicht zudem, um den Finanzierungspartner Simon Property teilweise auszuzahlen und in das operative Geschäft zu investieren.

Doch wird die Signa-Holding von Karstadt-Eigentümer Benko die Mehrheit am neuen Unternehmen halten. Entscheidend ist also, was der österreichische Immobilieninvestor plant. Benko hatte schon mehrfach versucht, nach Karstadt auch den Erzrivalen Kaufhof unter seine Kontrolle zu bringen – jetzt ist er am Ziel. Das Immobilienportfolio des gebürtigen Tirolers umfasst inzwischen 12 Mrd. Euro, die Handelsbeteiligungen kommen inklusive Karstadt-Kaufhof auf rund 10 Mrd. Euro Umsatz. Damit erreicht Benko die Umsatzgröße von Amazon in Deutschland – und muss sich jetzt mit Karstadt-Kaufhof dem Online-Rivalen stellen.

(Börsen-Zeitung, 12.09.2018)

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