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Börsen-Zeitung: Aufwachen!, Kommentar zum Euro-Clearing von Dietegen Müller

Frankfurt (ots) – Aus vielen kleinen Puzzlestücken lässt sich ein Bild formen. Im Poker um das so genannte Euro-Clearing, also um die Verrechnung von Zins- und Anleihekontrakten basierend auf Euro, lassen sich erste Konturen ablesen. So ist es naheliegend, dass die EU verhindern will, dass sich nach dem Brexit systemrelevantes Geschäft mit Zinsswaps oder Kreditausfall-Versicherungen in London aus EU-Sicht rechtlich gesehen verselbstständigt – geht es doch um große Summen. Sollte etwas im Londoner Euro-Clearing schief laufen, und wären Banken in der Eurozone stark getroffen, müssten schlimmstenfalls Staaten der Eurozone sie stützen, während die Briten fein raus wären. Soviel zur Befürchtung der einen Seite, ein nicht völlig auszuschließendes Extremszenario.

Nach dem, was aus Brüssel dringt, werden Standortpflichten erwogen. Zugleich wird darüber nachgedacht, dass die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA direkte Durchgriffsrechte auf Clearinghäuser bekommt, die im Euro-Clearing in London aktiv sind. Je nach Ausgestaltung im Einzelnen – beides sind Wege mit Risiken und dem Potenzial erheblicher und unerwünschter Nebeneffekte.

Fall eins wäre die Einführung der Standortpflicht. Hier ist die Zersplitterung von Liquidität und Risikomanagement-Strukturen vorgespurt. Möglich gar, dass Banken außerhalb der EU das Euro-Clearing an der Themse übernehmen. EU-Marktteilnehmer hätten in punkto Kosten und Wettbewerbssituation das Nachsehen. Fall zwei wiederum – die Unterwerfung unter eine starke EU-Aufsicht – könnte einen Rattenschwanz regulatorischer Vorgaben nach sich ziehen. Eine Einigung nicht nur auf britischer Seite wäre damit erschwert. Und wenn geklärt ist, welche Durchgriffsrechte eine so schlagkräftige EU-Aufsicht in Großbritannien hat – wie verhält es sich mit Durchgriffsrechten in anderen Drittstaaten wie den USA, der Schweiz? Das bisherige Modell einer Äquivalenz der Aufsicht scheint ja überholt zu sein.

Trotzdem: Der Durchgriff einer gestärkten EU-Aufsicht auf das Londoner Euro-Clearing ist für die Briten zumutbar. Im Dollar-Clearing ist London ebenfalls bedeutend, und außerhalb der USA beanspruchen die US-Aufseher Vergleichbares, was die EU möchte. Damit ließen sich bestehende Marktstrukturen erhalten. Jetzt muss Vorsorge getroffen werden, dass den angedeuteten Problemen und Konflikten vorgebeugt wird, die mit einer gestärkten EU-Aufsicht verbunden sein könnten. Es ist höchste Zeit aufzuwachen, bevor diese Büchse der Pandora geöffnet wird.

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