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Börsen-Zeitung: Cash-flow von der Zapfsäule, Kommentar zu Tank & Rast von Walther Becker

Frankfurt (ots) – Wer von der Autobahn abbiegt, der fährt meist auch wieder drauf. Bei der Allianz hat es etwas länger gedauert – um genau zu sein, elf Jahre. Denn 2004 verkaufte sie gemeinsam mit dem Finanzinvestor Apax und der Lufthansa mit Tank & Rast die ehemals bundeseigene Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahn. Nun sind die Münchener wieder dort angekommen.

Und die Versicherung, die die Mittel ihrer Kunden längerfristig anlegen muss, sorgt gemeinsam mit ihren neuen Partnern für eine wundersame Geldvermehrung bei diesem Franchisesystem. Es steht aus der vormaligen, kreditfinanzierten Private-Equity-Geschichte tief in der Kreide. 3,5 Mrd. Euro sind es heute. Als sich der Deutsche-Bank-Ableger Rreef 2007 einkaufte, lag die Bewertung bei 2,4 Mrd. Euro, 2004, als Terra Firma einstieg, waren es erst 1,1 Mrd. Euro. Allerdings besteht der Unternehmenswert vor allem aus Schulden. Diese machen knapp das 9-Fache des operativen Ergebnisses aus. Angesichts solch schwindelerregender Bilanzrelationen ist auch diesmal ein Börsengang als Option rasch ausgeschieden – wie schon Ende 2004, als Terra Firma das Unternehmen allein übernahm, nachdem sich die IPO-Pläne nicht umsetzen ließen. Institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds suchen indessen händeringend nach lukrativen Anlagen in Infrastruktur, um in Zeiten von Niedrigzinsen und Finanzkrisen von Griechenland bis Puerto Rico ihre Abhängigkeit von Staatsanleihen abzumildern. Doch die Ziele machen sich rar und der Liquiditätsüberschuss und Investmentdruck ist immens. Zudem sorgen die gestiegenen Aktienkurse für höhere Bewertungen.

Vor diesem Hintergrund vollzieht der bis über die Halskrause verschuldete Raststättenbetreiber den Wandel vom Ladenhüter zum Investmentschlager. Und so ist der größte Leveraged Buy-out in Deutschland seit 2008 dank niedriger Zinsen sehr lukrativ für die Verkäufer.

Die Allianz hat in Parksysteme in Chicago investiert, in britische Militäranlagen, norwegische und tschechische Gasnetze, hat in britisches Eisenbahnleasing Mittel gesteckt und ist in Wind- und Solarportfolios in zahlreichen Ländern engagiert – nicht immer mit Erfolg. Insofern erscheint ein Investment vor der eigenen Haustür, in deutsche Autobahneinrichtungen, logisch. Wachstum verspricht Tank & Rast, zu deren Cash-flow signifikant die Toilettengebühren (Sanifair) beitragen, kaum. Aber stabile Mittelzuflüsse und hohe Markteintrittsbarrieren sind genau das, was Infrastrukturinvestoren suchen.

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Telefon: 069–2732-0 www.boersen-zeitung.de