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Börsen-Zeitung: Cliffhanger, Kommentar zum Investment Banking von Walther Becker

Frankfurt (ots) – Der ewig positiv gestimmte Investmentbanker verweist auf die Pipeline an Fusionen und Übernahmen (M&A), die natürlich gut gefüllt ist, auf Marktchancen, die sich gerade am Eigen- und Fremdkapitalmarkt in einem volatilen Umfeld ergeben, oder auf völlige neue Finanzierungsanforderungen. Und der Profi wird auf jeden Fall einen “zuversichtlichen Ausblick” geben. Aber alles Gesundbeten hilft nichts, der Auftakt im Investment Banking ist dieses Jahr nicht nur in Deutschland verpfuscht, sondern auch global. Konnte sich das vergangene Jahr insbesondere in M&A noch mit dem Vorkrisenboom von 2007 messen, so laufen Hochrechnungen der Gebühreneinnahmen dieses Jahr auf einen Vergleich mit 2009 hinaus. Und das vor dem Hintergrund einer nach wie vor reichlich sprudelnden Liquidität und Unterstützung von der Europäischen Zentralbank.

Geopolitische Verwerfungen, der mögliche Brexit, die schweren Dämpfer aus China, die Ungewissheit über die US-Präsidentenwahlen und die Furcht vor terroristischen Anschlägen führen Investoren in den Attentismus. Und diese abwartende Haltung ist ebenso Gift für Aktivitäten wie eine deflationäre Entwicklung. Die Folge: Das globale Volumen in M&A – die Beratung galt früher als Königsdisziplin des Investment Banking – ist in den ersten drei Monaten 2016 um ein Fünftel eingebrochen, Equity Capital Marktes um nahezu die Hälfte, High Yields brechen um 60 Prozent ein, syndizierte Kredite um 20 Prozent. Und Darlehen für schuldenfinanzierte Übernahmen fallen auf das niedrigste Niveau seit vielen Jahren. Ohne den chinesischen Übernahmeappetit – die Syngenta-Übernahme führt mit 48 Mrd. Dollar die globale Rennliste an – läge der Markt noch tiefer darnieder. Doch auch auf Chinesen ist kein Verlass, wie die Absage der 14 Mrd. Dollar schweren Akquisition von Starwood Hotels zeigt.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, kommentieren Banker das Debakel. Argumentation nach Art des Cliffhangers: Der Fortgang wird in der nächsten Episode deutlich, und nicht nur Filmstar Sylvester Stallone weiß, wie man mit einem Absturz umgeht. Ist das erste Quartal schwach, können die Folgemonate nur besser werden, schließlich sind Unternehmen gezwungen, sich auf den Weltmärkten auch mit M&A zu positionieren. Damit gewinnt der Markt an “Momentum” und der Herbst wird es richten. Alles halb so schlimm? Für ihre Boni bereiten sich Banker in “Bulge-Bracket-Häusern”, wie man große Adressen nennt, auf weitere Sparrunden vor – und sie müssen mit erneuten Stellenstreichungen größeren Ausmaßes rechnen.

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Telefon: 069–2732-0 www.boersen-zeitung.de