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Börsen-Zeitung: Cryan in Canossa, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) – John Cryan zeigt Demut und dadurch Größe. Der Chef der Deutschen Bank drückt sein tiefes Bedauern über die zig Milliarden Euro an Straf- und Vergleichszahlungen verschlingenden Verfehlungen der Vergangenheit aus, nennt “das Fehlverhalten weniger”, die aus kurzfristigen Interessen die Reputation als wertvollstes Gut der Bank aufs Spiel gesetzt hätten, “völlig inakzeptabel”. Und er scheut sich nicht – da wurde es in der Pressekonferenz mucksmäuschenstill – zu sagen: “Wir möchten uns dafür entschuldigen.”

Das repariert nicht den Schaden, den Aktionäre, Kunden und nicht zuletzt die, wie wir immer noch glauben wollen, große Mehrzahl der redlichen Beschäftigten erlitten haben. Auch rehabilitiert es nicht die damals Verantwortlichen, unter deren zugekniffenen Augen Geschäftspartner betuppt sowie Recht und Moral gebrochen wurden, oder gar jene, die aktiv an womöglich kriminellen Manipulationen und Mauscheleien beteiligt waren. Doch es zeugt davon, dass die heutige Führung unter Cryan, dem man die Aufrichtigkeit seiner Abbitte abnehmen kann, ein anderes Verständnis von Regeltreue und Anstand hat. Sie ist fest entschlossen, die Unkultur, in der solche Missstände wuchern konnten, ein für allemal auszumerzen und die Einhaltung der eigenen Standards durch die Bank durchzusetzen.

Die Investoren konnte Cryans Gang nach Canossa noch nicht von den positiven Perspektiven der Blauen überzeugen. Dabei ist nicht zu bestreiten, dass die Bank auch über die Beilegung einiger großer Rechtshändel hinaus erkennbar vorankommt. Risikoabbau und Stärkung der Finanzkraft sind, obgleich in Teilen nicht dauerhaft, durchaus beeindruckend. Und das Ergebnis vor Sondereffekten von 4 Mrd. Euro mag andeuten, was das 1,6-Bill.-Euro-Haus (Bilanzsumme, leider nicht Börsenwert) in einem stabilen Umfeld zu leisten imstande sein könnte – freilich “eine rein fiktive Rechnung”, wie Finanzchef Marcus Schenck freundlicherweise einräumt.

Auch wenn sich die Bank heute einem solchen Umfeld viel näher sieht als vor einem Jahr: Die Erfahrung der vergangenen Dekaden lehrt, dass es so etwas wie Normalität bei diesem Institut nicht gibt. Eher ist die vermeintliche Ausnahme die Regel, und das “Unnormale” steht allzu oft auf der falschen Seite: Rechts- und Restrukturierungskosten, Wertminderungen et cetera. “Widerstandsfähig” sei die Bank, sagt Cryan. Das kann man unterschreiben, zumal eingedenk der Turbulenzen im Herbst. Immerhin, das ist etwas wert. Aber der Vorstand muss mehr liefern, damit Investoren und das sonstige Publikum an eine nachhaltige Wende glauben können.

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