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Börsen-Zeitung: Déjà-vu / Kommentar zu den Vergaberegeln der nächsten Mobilfunkgeneration von Heidi Rohde

Frankfurt (ots) – Falls es noch einen Beweis brauchte, dass die Bedeutung einer leistungsfähigen Telekommunikationsinfrastruktur für Wirtschaft und Gesellschaft quer durch alle Schichten in den Köpfen verankert ist, dann wurde er in der ebenso hitzigen wie vielstimmig geführten Diskussion um die Wegbereitung des Mobilfunkstandards der 5. Generation (5G) erbracht. Die Bundesnetzagentur, die die Vergaberichtlinien für die 5G-Lizenzen mit bestimmt, hat dabei den sich überbietenden Forderungen nach Ausbauauflagen von selbst ernannten Experten aller Couleur keine übermäßige Beachtung geschenkt. Sie blieb standhaft an den “Grenzen des wirtschaftlich Vertretbaren”. Ihre Standhaftigkeit hat indes den Ruf nach dem Gesetzgeber provoziert, um einen schnelleren Ausbau leistungsfähiger Mobilfunktechnik zu erzwingen.

Der Hype um die Segnungen einer flächendeckenden 5G-Infrastruktur erinnert an die hochfliegenden Hoffnungen, die einst mit der Vergabe der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 verknüpft wurden. Damals gaben sich nicht nur die vermeintlichen Kunden, sondern auch die Mobilfunknetzbetreiber unrealistischen Träumereien ob der Möglichkeiten der neuen Technologie hin. Das unkontrollierte Wettbieten um die Lizenzen wurde zum Milliardengrab für die Telekombranche, weil allein die Technik noch keine Anwendungen und Geschäftsmodelle hervorbrachte, die für eine angemessene Rendite gesorgt hätten.

Bei 5G droht vielleicht kein solches Wettbieten. Ein ähnlicher Hype wie 2000 zeichnet sich aber durchaus ab. Die Automobilindustrie fantasiert offenbar vom 5G-gestützten autonomen Fahren bis in den hintersten Winkel der Republik, der Maschinenbau fordert “lückenlose” Verfügbarkeit für industrielle Anwendungen. Indes räumt die Telekom ein, dass bei der Ausgestaltung konkreter Anwendungen und Geschäftsmodelle bisher wenig geschehen ist. Über eine Einladung zum “runden Tisch” ist man kaum hinausgekommen. Doch steht der Konzern bei den Aktionären im Wort, vergangene Fehler nicht zu wiederholen und Infrastrukturinvestitionen künftig an eine konkrete Renditeerwartung zu knüpfen.

An dieser Richtschnur wird letztlich kein Weg vorbeiführen. Tragfähige Geschäftsmodelle werden den 5G-Ausbau noch am ehesten befördern. Und sie sind ebenfalls am besten geeignet, Kooperationen mit neu einsteigenden Netzbetreibern oder Diensteanbietern auf den Weg zu bringen. Einen großzügigen 5G-Ausbau, der sich später seine Geschäftsmodelle sucht, wird es nicht geben.

(Börsen-Zeitung, 27.11.2018)

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