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Börsen-Zeitung: Demonstration der Stärke, Kommentar zur Allianz von Michael Flämig

Frankfurt (ots) – Spare in der Zeit, so hast Du in der Not? Schon die Diktion verrät, dass der Volksmund derlei Weisheit vor langer Zeit geformt hat. Wer auf sein Konto blickt, der findet dies bestätigt. Denn er hat noch lange nicht genügend in der Not, wenn er spart. Schließlich ist der Wegfall der Verzinsung zu kompensieren. Auch professionelle Anleger können an der Jagd nach Yield verzweifeln. In dieses Gesamtbild ständig fallender Geldanlage-Rendite platzt die Allianz mit der Botschaft, ihren Kunden in der deutschen Lebensversicherung im nächsten Jahr eine unveränderte Zinshöhe anzubieten. 3,4 Prozent bis 3,7 Prozent werden gezahlt. Was hat das zu bedeuten?

Die Antwort ist einfach: Der Marktführer kann es sich leisten, die Spendierhosen anzuziehen. Kapitalanlagevorstand Günther Thallinger hatte schon im Oktober in der Börsen-Zeitung darauf hingewiesen, dass der Versicherer seine Durchschnittsrendite halten werde. Der Umbau des Portfolios zahlt sich aus. Staatsanleihen und Pfandbriefe, früher die Eckpfeiler der Anlage jedes Versicherers, stellen bei der Allianz Leben nur noch die Hälfte der Investments. Alternative Anlagen bringen eben aktuell mehr Rendite. Derlei komplizierte Transaktionen in Windparks und vor allem Infrastruktur können aber nur die Branchenriesen stemmen.

Die Allianz-Lebensversicherung erlebt im Jahr 2017 ein bemerkenswertes Comeback. Die Investoren, die zuvor nur die Risiken sahen, billigen der Sparte nun viel höhere Multiples zu. Eine Eigenkapitalverzinsung von 18 Prozent im dritten Quartal kann sich halt sehen lassen – sie liegt übrigens auch dank der garantielosen und damit kapitalextensiven neuen Produkte deutlich über der Rendite der Kunden. Diese dürfen sich über die jetzige Stabilisierung freuen, aber für Champagnerstimmung ist dennoch kein Anlass. Altersvorsorge bleibt für die Bundesbürger ein harziges Geschäft. 3,4 Prozent mögen sich attraktiv anhören im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Zehn Jahre zuvor aber wurden noch 5,3 Prozent gezahlt.

Der Verzicht auf eine Senkung der Gesamtverzinsung ist eine Demonstration der Stärke. Die Allianz zeigt damit ihre reale Potenz, aber natürlich ist die Verkündung auch taktischer Natur. Die Konkurrenz wird noch enger gegen die Wand gedrückt. Klar ist nämlich auch: Für Lebensversicherer lohnt es sich, aktuell möglichst viele Mittel anzusaugen. Sollte eine radikale Zinswende kommen, die Sparbücher wieder konkurrenzfähig macht, wird der Zustrom abrupt versiegen. Jener Versicherer, der dann mehr Kundengelder angespart hat, kommt besser durch die Not.

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