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Börsen-Zeitung: Der schöne Schein, Kommentar zum neuen Jahr von Claus Döring

Frankfurt (ots) – Gibt es nicht schon genug Geld auf der Welt? Haben die Notenbanken der USA, der Eurozone, Japans und Großbritanniens nicht seit Jahren die Märkte mit Liquidität geflutet und ihre Währungen geradezu verschenkt? Ausgerechnet auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung rückt ein neues, ein virtuelles Geld ins Rampenlicht: der Bitcoin. Es fehlen ihm zwar wichtige Funktionen, die eine Währung ausmachen, trotz seiner gelegentlichen Verwendung als Zahlungsmittel. Aber zumindest eine Eigenschaft des Bitcoin sollte zu denken geben: Der Bitcoin hat auch deshalb so an Wert gewonnen, weil er nicht beliebig vermehrbar ist, sondern mit zunehmendem Aufwand elektronisch geschürft werden muss. Und drücken die Preissprünge des Bitcoin nicht auch den Protest gegen die von vielen Menschen mit Misstrauen begleitete Geldpolitik der staatlichen Notenbanken aus? Wenn offizielle Währungen ihre Besitzer nicht mehr vor realen Vermögensverlusten zu bewahren vermögen, wächst der Wunsch nach alternativen Währungen. In der Politik ist das ja nicht viel anders, wo das Versagen etablierter Parteien alternativen Kräften den Nährboden bereitet.

Zumindest die amerikanische Notenbank Fed steuert bereits um und will weitere Leitzinserhöhungen folgen lassen. Möglicherweise zu spät, zumal andere Institute wie die Europäische Zentralbank (EZB) auch 2018 noch Anleihen aufkaufen. Die Bombe jedenfalls schlummert schon in den Büchern der Fed, der EZB und der Bank of Japan. Deren Bilanzen sind seit Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren durch die unkonventionellen Maßnahmen der Geldpolitik bis heute viermal so stark gewachsen wie das nominale Bruttoinlandsprodukt in diesen Volkswirtschaften. Mit anderen Worten: Die enorme Liquidität floss in andere Assets und blähte deren Preise auf, von Aktien bis zu Immobilien.

Vor diesem Hintergrund wird die Freude über das sechste Wachstumsjahr in Folge beim Dax 30 zur Sorge. Zwar geht jeder Bullenmarkt irgendwann einmal zu Ende, doch die Fallhöhe ist nach einem Zuwachs um 120% in den sechs Jahren beträchtlich. Daran ändert auch nichts, dass die Bewertungen deutscher Aktien noch Abstand haben zum US-Markt, der sich auf Allzeithoch bewegt. Der schöne Schein eines stabilen konjunkturellen Umfelds und erfreulicher Wachstumsaussichten für die USA, Europa und Asien täuscht darüber hinweg, dass der Aufschwung äußerst fragil ist. Denn er geht einher mit einer Zunahme der globalen Verschuldung auf mittlerweile 325% der Weltwirtschaftsleistung. Die jahrelange Niedrig- und Nullzinspolitik hat immer mehr Investoren auf der Suche nach Rendite in relativ risikoreiche Assets gelockt. Schon die Normalisierung der Zinsstrukturkurve kann da zum Auslöser der nächsten Krise werden.

Eines der Zeitungsbücher unserer Jahresschlussausgabe ist seit jeher mit “Marktchancen” überschrieben. Auch in diesem Jahr. Warum nicht “Marktrisiken”, zumal uns 2018 weitere, vor allem politische Gefahren begleiten werden: der Isolationismus der USA, Nordkorea-Konflikt, Chinas Imperialismus im Südchinesischen Meer, Spannungen in der Golfregion, Brexit und Katalonien-Separatismus in Europa? Nur wer um die Risiken weiß, kann die Chancen erkennen, die es in jeder Marktsituation gibt. Die Redaktion hofft, mit dieser Jahresschlussausgabe einen Beitrag zu leisten, dass unsere Leser die Chancen des Jahres 2018 erkennen und nutzen.

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