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Börsen-Zeitung: Frühindikator / Kommentar zum Einbruch der Osram-Aktie von Joachim Herr

Frankfurt (ots) – Jetzt hat es auch Osram erwischt: Die wachsende Unsicherheit in der Autoindustrie trifft den Münchner Lichttechnikkonzern heftig. Eine Woche nach Daimler senkte das Unternehmen ebenfalls seine Gewinnprognose für das aktuelle Geschäftsjahr. Zudem rechnet es nur noch mit einem leichten Umsatzplus. Kein Wunder, Osram erzielt die Hälfte des Erlöses und einen Großteil des Gewinns mit der Autobranche.

Diese relativ hohe Abhängigkeit schlägt nun zum Nachteil des Unternehmens durch. Noch im vergangenen Jahr hatte Osram als Marktführer im Autolichtsegment von der damals starken Nachfrage kräftig profitiert. Auch die zunehmende Ausstattung der Fahrzeuge mit Sensoren trieb den Aktienkurs nach oben. Osram stellt die dafür benötigten Optohalbleiter her.

In den vergangenen Monaten drehte sich der Wind jedoch rasch. Ein Mann verunsichert die ganze Autoindustrie und ihre Zulieferer: US-Präsident Donald Trump erschreckt mit hohen Zöllen. China, der größte Automarkt der Welt, bereitet den Gegenschlag vor. Unter diesem Eindruck halbieren Branchenexperten ihre Wachstumserwartungen für den weltweiten Fahrzeugmarkt in diesem Jahr.

Der Vorstand von Osram verbreitet trotz allem Optimismus. Solange Aufträge nicht storniert, sondern nur verschoben werden, gibt es für ihn keinen Grund zum Schwarzsehen. Es wirkt wie das Pfeifen im Wald. Denn es häufen sich die Anzeichen, dass dem langen Konjunkturaufschwung in großen Teilen der Welt die Puste ausgeht. Ein Schlaglicht wirft der Ifo-Geschäftsklimaindex, der in den vergangenen sieben Monaten sechsmal gesunken ist und zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn fiel.

Die Lichtindustrie bekommt als frühzyklische Branche einen Abschwung schnell zu spüren. Am selben Tag wie Osram ließ der österreichische Leuchtenhersteller Zumtobel seine Aktionäre jammern. Tageskursverluste von 22% und 19% lassen sich als Indiz dafür lesen, dass die Anteilseigner beider Unternehmen ein rasch erholtes Geschäft für unwahrscheinlich halten. Es ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft.

Dem Vorstand von Osram ist trotz der zur Schau gestellten Zuversicht auch nicht ganz wohl bei der Sache. Warum würde er sonst über die Umsatz- und Ergebnisziele für das Jahr 2020 nochmals gründlich nachdenken? Grund zur Panik gibt es freilich nicht: Osram muss einfach mit dem Auf und Ab der Konjunktur klarkommen. Eine Aufgabe für das Management bleibt es, diese Abhängigkeit einzudämmen.

(Börsen-Zeitung, 29.06.2018)

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