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Börsen-Zeitung: Fuß vom Gas, Kommentar zur Geldpolitik von Mark Schrörs

Frankfurt (ots) – 1,8 Prozent, 0,5 Prozent, 9,6 Prozent: Das sind Zahlen, die gestern für einige Aufregung in der Ökonomenzunft in Euroland sorgten – und sicher auch bei Notenbankern. Auf 1,8 Prozent ist die Inflation im Januar überraschend deutlich nach oben geschnellt – nach dem bereits rasanten Satz von 0,6 Prozent auf 1,1 Prozent im Dezember. Um 0,5 Prozent ist die Wirtschaft Ende 2016 gewachsen – also noch einmal stärker als die 0,4 Prozent zuvor. Auf 9,6 Prozent von 9,7 Prozent schließlich ist die Arbeitslosenquote gesunken – statt wie erwartet anzusteigen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) aber, zumindest jedoch die breite Mehrheit im EZB-Rat, hält bislang unbeirrt an der ultralockeren Geldpolitik fest, wie sie im Dezember zementiert worden war – mit der Entscheidung, die Anleihenkäufe (Quantitative Easing, QE) über März 2017 hinaus bis Dezember 2017 zu verlängern. Eine Geldpolitik, die sogar noch expansiver ist als auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise, passt aber schlicht immer weniger in die Zeit.

Natürlich braucht aktuell niemand in ungebremste Konjunktureuphorie zu verfallen. Das gilt erst recht angesichts der Vielzahl an Risiken wie der Gefahr eines weltweiten Protektionismus und politischen Unwägbarkeiten im “Superwahljahr”. Es gibt aber eben auch keinen Grund, das wirtschaftliche Licht unter den Scheffel zu stellen. Die Euro-Wirtschaft wächst aktuell über ihrem Potenzial – und für 2016 liegt das Plus mit 1,7 Prozent nun sogar etwas oberhalb dem der gepriesenen USA (1,6 Prozent).

Genauso wenig besteht natürlich derzeit Anlass für Inflationshysterie. Der Sprung bei der Teuerung resultiert aus der Ölpreisentwicklung und der gedämpfte, zugrundeliegende Preisdruck lässt nicht befürchten, dass die Teuerung stark überschießt; vielmehr dürfte sie zur Jahresmitte leicht zurückgehen. Der mittlere Trend aber geht definitiv in die richtige Richtung. Das gilt zumindest unter der Annahme, dass die EZB nicht klammheimlich ihr Inflationsziel von knapp 2 Prozent korrigiert hat – und sie nun nicht doch mehr als die 2 Prozent anvisiert.

Was die Sache sicher nicht einfacher macht, sind die enormen Divergenzen in Euroland – bei der Inflation wie beim Wachstum. Draghi hat deutsche Forderungen nach einer Kehrtwende aber stets mit dem Argument gekontert, die EZB mache Geldpolitik für den ganzen Euroraum. Das muss dann aber auch gelten, wenn die Signale für den Durchschnitt der Länder auf Wende springen. Im Übrigen: Es geht nicht um eine geldpolitische Vollbremsung – sprich: von einem expansiven auf einen restriktiven Kurs umzuschalten. Die EZB muss aber absehbar mal den Fuß etwas vom bis zum Anschlag durchgetretenen Gaspedal nehmen.

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