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Börsen-Zeitung: Große Fußstapfen, Kommentar zu Vonovia von Annette Becker

Frankfurt (ots) – Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als habe sich bei Deutschlands größtem Wohnimmobilienkonzern Vonovia mit Rolf Buch als CEO und Stefan Kirsten als CFO ein kongeniales Vorstandsgespann gefunden. Der eine verstand sich auf die Immobilienbranche und damit das Auffinden von Akquisitionsobjekten, der andere aufs Financial Engineering, so dass auch stets genügend Mittel für Übernahmen bereitstanden. Seit Montag gilt es diese Sichtweise geradezurücken.

Ganz offiziell zieht sich Finanzchef Kirsten natürlich auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand zurück und steht dem Unternehmen künftig noch als Aufsichtsrat wesentlicher Beteiligungen zur Seite. In einschlägigen Managerzirkeln ist man sich jedoch einig, dass die Unterschiedlichkeit der beiden Charaktere keine dauerhafte Zusammenarbeit mehr zuließ. Der Faktor Mensch stand schlichtweg im Weg. Den Kürzeren zog Kirsten, der den Immobilienkonzern von 2011 an auf Kapitalmarkt- und Börsenfähigkeit getrimmt hatte.

Auch wenn sich der Börsengang der damals noch als Deutsche Annington firmierenden Gesellschaft im Sommer 2013 holprig gestaltete – erst im zweiten Anlauf klappte das IPO mit niedrigerem Preis und verringertem Angebot -, haben die Bochumer seither eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Zwei Jahre nach dem Börsengang und der Übernahme der Gagfah gelang der Aufstieg in den Dax. Die Erfolgsgeschichte trägt zu einem guten Teil die Handschrift von Kirsten, der das Unternehmen mit Ablauf der Hauptversammlung im Mai dieses Jahres verlassen und mutmaßlich kein eigenes Büro mehr in der neuen Firmenzentrale beziehen wird.

Zumindest am Kapitalmarkt wird der Abgang des selbstbewussten und zugleich blitzgescheiten Managers mit gemischten Gefühlen beäugt, wie die Kursreaktion vom Dienstag belegt. In der Spitze gab der Kurs um 3 Prozent nach, obwohl der Gesamtmarkt nach Tagen der Depression wegen eines möglichen Handelskriegs mit den USA zur Erholung ansetzte. An den Zahlen, die Deutschlands größter Vermieter am Dienstag vorlegte, kann die Kursreaktion jedenfalls nicht gelegen haben, auch wenn sich der Neuigkeitswert in Grenzen hielt. Denn auch für Transparenz und zielgenaue Guidance stand Kirsten.

Zugute halten darf man dem Aufsichtsrat jedoch, dass der Abgang Kirstens von langer Hand eingefädelt wurde, steht mit Helene von Roeder doch zugleich eine erfahrene Bankerin bereit, in die – zugegebenermaßen großen Fußstapfen – zu treten.

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