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Börsen-Zeitung: Grüner Triumph / Kommentar zum Green-Bond-Markt von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) – Es ist ein Triumphzug, den Green und Sustainable Finance an den Finanzmärkten feiert. Immer mehr Emittenten aus allen Lagern, ob nun Staaten, supranationale Adressen, Agencies, Banken und Unternehmen, springen auf den Zug auf, weil sie erkannt haben, dass es eben keine Modeerscheinung ist, sich mit Aspekten des Klima- und Umweltschutzes bzw. den Nachhaltigkeitszielen dieser Welt auseinanderzusetzen, sondern dass darin ein wichtiges Erfordernis besteht, dem diese und künftige Generationen Rechnung tragen müssen. Über eine mangelnde Nachfrage nach solchen Kapitalmarktprodukten – vorherrschend sind hierbei die Anleihen, also Green und Sustainable Bonds – brauchen sich Emittenten gemeinhin keine Gedanken zu machen. Die Papiere finden praktisch immer reißenden Absatz.

Emissionsgeschwindigkeit und damit auch erreichte Emissionsvolumina sind beeindruckend. Der weltweite Markt für Green Bonds und Loans hat nach Angaben der Climate Bonds Initiative (CBI) vor wenigen Tagen die Marke von 200 Mrd. Dollar übertroffen. Nach einer Reihe von Emissionen von Singapur, Japan, Schweden und China liegen die Emissionen nun bei etwas mehr als 208 Mrd. Dollar. “Basierend auf diesen Daten wird 2019 erneut zu einem Rekordjahr für Green Finance. Neue Staaten steigen in diesen Markt ein und ursprüngliche Pioniere wie etwa Frankreich, Polen und Nigeria legen erneut grüne Anleihen auf”, sagte Sean Kidney, CEO der CBI. Und im kommenden Jahr wird dann wohl auch der Bund mit seiner ersten grünen Bundesanleihe aufwarten. Finanzminister Olaf Scholz spricht in diesem Zusammenhang von der Umwelt-Bundesanleihe, die als grüne Zwillingsanleihe als separates Wertpapier daherkommen wird.

Die Bond-Volumina und die Vielfalt im Markt im Hinblick auf die Emittentenschar nimmt nach Angaben von Kidney weiter zu. Führende europäische und chinesische Banken würden zu den größten Emittenten im Markt gehören. Das sind für Kidney alles Zeichen, dass dieser Markt an Reife gewinnt. Ziel der internationalen Organisation CBI ist es, den Markt für grüne und Klimaschutzanleihen voranzutreiben und damit Gelder in Richtung entsprechender Investmentprojekte für Klima- und Umweltschutz zu mobilisieren.

CBI geht von einem weiterhin starken Wachstum dieses Marktes aus. Für dieses Jahr prognostizieren die Experten ein Gesamtemissionsvolumen von 230 bis 250 Mrd. Dollar.

Zum Vergleich: Es wird damit gerechnet, dass in diesem Jahr die in Euro denominierten Unternehmensanleihen (Investment Grade und High Yield) ein Volumen von rund 400 Mrd. Euro erreichen werden. Das bedeutet, dass die grünen Anleihen mittlerweile weltweit eine Emissionsgrößenordnung erreicht haben, die in etwa der Hälfte des Emissionsvolumens von Euro-Unternehmensanleihen entspricht.

Für kommendes Jahr geht CBI davon aus, dass weltweit grüne Bonds für 350 bis 400 Mrd. Dollar auf den Markt kommen werden. Dann ist das Emissionsvolumen der Green Bonds praktisch auf dem Level der Euro-Unternehmensanleihen dieses Jahres. Eine beachtliche Entwicklung.

Emittentenseitig entwickelt sich der Markt auch weiter. Luxemburg hat im vorigen Jahr als erstes Land weltweit ein grünes Anleihegesetz verabschiedet, und zwar speziell für grüne Pfandbriefe, die sogenannten “lettre de gage énergies renouvelables”, also einen Pfandbrief, mit dem Assets aus dem Bereich der erneuerbaren Energien refinanziert werden können. Und nun geht der erste Emittent eines solchen grünen Covered Bond der erneuerbaren Energien an den Start. Es ist eine deutsche Adresse, und zwar die Nord/LB, die über ihren Luxemburger Ableger, die Nord/LB Covered Bond Bank vorstellig wird.

Damit können Anleger eine grüne Anleihe auf der Basis eines grünen Anleihegesetzes kaufen. Das ist der nächste Meilenstein. Und das wird garantiert nicht die letzte Innovation in diesem Markt sein. Weitere werden folgen. Der Markt entwickelt sich rasant, die Herausforderungen in Sachen Klimawandel und Umweltschutz sind immens, und deshalb sind auch innovative Lösungen gefragt. Das werden neue Kapitalanlageprodukte sein, die dann Gelder in diese entsprechenden innovativen Projekte lenken. Und von diesen Geldern werden in den nächsten Jahren noch einige benötigt. So weiß auch CBI-CEO Kidney, dass 400 Mrd. Dollar an Green-Bond-Emissionen noch ein gutes Stück von der Billion entfernt sind, die von Experten als notwendig erachtet werden, um den Übergang zu einer Low-Carbon-Wirtschaft zu ermöglichen. Auf den Green-Bond-Markt kommt also noch ein Stückchen Arbeit zu.

(Börsen-Zeitung, 02.11.2019)

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