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Börsen-Zeitung: Grundsätzlich richtig / Kommentar zur CO2-Regulierung der Autoindustrie von Isabel Gomez

Frankfurt (ots) – Bis 2030 sollen Neuwagen in der EU 37,5% weniger CO2 ausstoßen als 2021, wenn der durchschnittliche Ausstoß von zuletzt 118,5 Gramm je Kilometer auf 95 Gramm gesunken sein soll. Die noch erforderlichen Billigungen von Rat und Europaparlament gelten als Formsache. Die Autoindustrie nennt die Ziele unrealistisch. Sie sind hart und ambitioniert. Grundsätzlich aber traf die EU die richtige Entscheidung. Sie krankt nur an Details.

Von dem Vorschlag geht das Signal aus, in welche Richtung sich Europa umweltpolitisch bewegen will – und angesichts der Ergebnisse der Klimakonferenz in Katowice, deren Regelwerk weltweit den Druck auf eine strengere CO2-Politik erhöht, auch muss. Das ist umso wichtiger, als sich die USA entgegen jeder langfristigen wirtschaftlichen Vernunft vom Klimaschutz verabschiedet haben. Anders als der größte Automarkt der Welt, China, wo das strategische Ziel E-Mobilität unerbittlich vorangetrieben wird. Mit Norwegen, den Niederlanden, Dänemark, Frankreich und Großbritannien wollen zudem mehrere Länder die Zulassung von Verbrennermotoren zwischen 2025 und 2040 verbieten.

Die europäischen Hersteller müssen sich strecken, um die Ziele zu erreichen. Das zeigt die Reaktion von Volkswagen, deren bisher geplante Investitionen in E-Mobilität dafür nicht ausreichen werden. Es wird wohl manchen Herstellern nicht gelingen. Aber der Anreiz für sie ist nun ungleich größer als etwa für US-Hersteller, was im Rennen um E-Mobilität ein Vorteil sein kann.

Allerdings, und daran krankt der Vorschlag, wissen die Hersteller nicht, von welcher konkreten Basis aus sie das 2030er Ziel erreichen sollen. Bis 2021 kommen einige neue E-Autos auf den Markt. Es wäre sinnvoll gewesen, deren Auswirkung auf die Flottenemissionen abzuwarten, statt sich auf theoretische Hochrechnungen zu verlassen.

Die im Vergleich noch immer teure E-Mobilität ist der einzige Hebel, mit dem die Ziele zu erreichen sind. Verbesserungen an Verbrennermotoren reichen dafür nicht aus. Doch zur E-Mobilität gehören nicht nur Autos, sondern auch eine flächendeckende Ladeinfrastruktur, die trotz Förderung vor allem in Deutschland nur sehr langsam wächst. Zudem gelten E-Autos gesetzlich zwar als Nullemissionsfahrzeuge, was aber an der Produktionsrealität vorbeigeht. Denn der für ihre Fertigung benötigte Strom stammt bei Weitem nicht ausschließlich aus regenerativen Energien, sondern zu einem guten Teil noch aus Kohlekraftwerken. Vom Energiemix bei der Produktion der Batteriezellen in Asien ganz zu schweigen.

(Börsen-Zeitung, 19.12.2018)

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