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Börsen-Zeitung: In Sippenhaft, Kommentar zu den Autozulieferern von Peter Olsen

Frankfurt (ots) – Wenn General Motors einen Schnupfen hat, bekommt die Wirtschaft der Vereinigten Staaten eine Grippe, hieß es früher. So stark wie vor einem halbe Jahrhundert ist der Einfluss der Autoindustrie nicht mehr. Trotzdem machen sich Volkswirte auch in Deutschland sorgenvolle Gedanken, welche Strahleffekte von dem VW-Debakel mit Dieselmotoren auf die Konjunktur insgesamt ausgehen könnten. Nach derzeitiger Einschätzung gelten die negativen Folgen als überschaubar, wenn die Wolfsburger ihre Probleme rasch in den Griff bekommen.

Sehr unmittelbar aber bekommen die Kfz-Zulieferer ein Stottern des VW-Motors in ihren Auftragsbüchern zu spüren. Der derzeit weltgrößte Autobauer ist auch einer der größten Einkäufer. Muss der Konzern mit seinen Pkw-Marken wie Volkswagen, Audi, Skoda und Seat, die bei vielen Modellen die gleiche Motorisierung haben, wegen einer deutlich nachlassenden Nachfrage für Dieselfahrzeuge seine Abfragen reduzieren, wirft das auch bei den Zulieferern von Motorkomponenten – ob mechanischer oder elektronischer Art – die Produktionsplanungen über den Haufen.

Noch ist es zu früh, mögliche Auswirkungen zu beziffern. Auch sind unter den Zulieferern die Abhängigkeiten vom VW-Konzern unterschiedlich groß. Börsennotierte Zulieferer aber werden im Zuge von “Dieselgate” schon in Sippenhaft genommen. Insoweit kann das Bosch-Management glücklich sein, dass ihr gerade in der Dieseltechnik führendes Unternehmen nicht gehandelt wird. Bosch beeilte sich zudem darauf hinzuweisen, zwar Technik zur Abgasnachbehandlung geliefert zu haben. Aber: “Die Verantwortung für Anwendung und Integration der Komponenten liegt bei VW.”

Aktien von Continental, Infineon, ElringKlinger – wenn auch aus anderen Gründen -, Bertrandt, Hella oder Grammer sind in den Abwärtssog geraten. Mit den Folgen eines möglicherweise künftig geringeren Bedarfs an Zulieferteilen für VW-Dieselmotoren haben aber nicht nur deutsche Zulieferer zu kämpfen, sondern auch internationale Wettbewerber. J.P. Morgan Cazenove verweist hier besonders auf die französische Faurecia, für die Volkswagen für ein Viertel des Gesamtumsatzes steht und die auch komplette Abgassysteme für den US-Passat liefert. Auch Valeo ist stark in der Belieferung für Dieselmotoren der Wolfsburger engagiert.

Der VW-Absatz insgesamt schwächelte ja schon in den vergangenen Monaten. Auch das hat den Ausblick für die Zulieferer bereits ohne Abgasdebakel erheblich eingetrübt.

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