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Börsen-Zeitung: Indizes neu gemischt / Kommentar zur Indexneuordnung der Deutschen Börse von Dietegen Müller

Frankfurt (ots) – Wird der deutsche Technologieindex TecDax durch die am Montag umgesetzte Indexneuordnung ein besseres Abbild der deutschen Technologiewerte und damit als Investitionsobjekt attraktiver? Die Frage wird am Markt unterschiedlich beantwortet. Neu ist, dass im TecDax enthaltene Titel auch in anderen Indizes der Dax-Familie vertreten sein können – und umgekehrt. Der ETF-Anbieter Comstage begrüßt beispielsweise die Neuordnung der Dax-Familie und meint, das Marktsegment werde damit für Investoren beliebter. Bisher lässt sich die Zahl der ETF, die auf dem TecDax basieren, an einer Hand abzählen. Indexstratege Uwe Streich von der LBBW ist dagegen skeptisch, was die Erfolgsaussichten des neu geordneten TecDax als Underlying für neue Anlageprodukte anbelangt. “Der Index verliert durch die Neuordnung eher an Gewicht, da er durch den Einbezug von Aktien aus anderen Indizes der Dax-Familie sein Alleinstellungsmerkmal verliert.”

Streich hält es auch für problematisch, dass einige wenige Titel künftig ein großes Gewicht im TecDax haben werden und damit auch seine Performance prägen. “Der TecDax wird eher zu einer Einzelaktien-Story. Die vier Neuzugänge aus dem Dax haben jeweils eine Anfangsgewichtung von 10% im Index, und die acht größten Aktien erreichen einen Zwei-Drittel-Anteil an der Marktkapitalisierung”, sagt der Indexexperte. Dazu zählen auch Qiagen, Siemens Healthineers, Sartorius und United Internet. Auch die Abgrenzung von Technologietiteln ist im TecDax für Streich nicht überzeugend umgesetzt worden. “Die Deutsche Börse behandelt Beteiligungsgesellschaften weiterhin als Unternehmen, die in ‘Classic’-Indizes enthalten sein können. Das führt dazu, dass die an vielen Technologie-Start-ups beteiligte Gesellschaft Rocket Internet nicht im TecDax enthalten sein kann, und stattdessen im MDax enthalten ist.”

Auch das Bankhaus Metzler verweist auf das große Gewicht einiger weniger Titel im neuen TecDax. Dies mache den Index vermutlich besser investierbar, aber marginalisiere die anderen Indexwerte. Am Ende dürfte wohl entscheidend sein, wie groß das Interesse im Markt an einem “deutschen Tech-Index” ist. Viele Investoren bevorzugen als Tech-Benchmark breitere Sektorindizes. Es gibt zwar auch einen Technologie-Index des Deutsche-Börse-Wettbewerbers Euronext, den Tech 40. Doch handelt es sich hierbei um ein Sammelsurium an Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Auch hier war die Nachfrage auf Seiten der Investoren bisher nicht überwältigend.

Dies führt zu zwei Erkenntnissen. Es ist schwierig, einen Index zu schaffen, der von Investoren als Benchmark genutzt werden will. Und die Abgrenzung eines Indexuniversums ist anspruchsvoll. Die Sektorklassifizierung ist eine Wissenschaft für sich. So lässt sich fragen, warum nun eine Deutsche Telekom mit ihrem großen Anteil an traditionellem Kupferkabel-Geschäft im TecDax Einzug hält.

Befürworter dieses Schritts könnten im angelsächsischen Raum zu finden sein. So gelten ab Handelsende am 28. September neue Global Industry Classification Standards (GICS). Die Indexanbieter S&P Dow Jones Indices und MSCI werden dann den bisherigen Telekom-Sektorindex durch den Communication Services Sector ablösen. In diesem werden auch Titel aus dem IT- oder Konsumgütersektor dazugehören. Dann werden auch Marktschwergewichte wie Facebook oder Alphabet in dem neuen Index enthalten sein, Seite an Seite mit traditionellen Telekomunternehmen wie Verizon oder AT&T. Der neue Index wird also auch zyklischer ausgerichtet sein – wohingegen im TecDax durch die Telekom eher defensivere Qualität Einzug hält.

Für Investoren, aber auch Anbieter von börsengehandelten Fonds (ETFs) sind die Folgen groß. Der Hedgefonds Winton hat berechnet, dass durch die Reklassifizierung des Telekomindex allein im 22 Mrd. Dollar schweren SPDR Technology ETF rund 4 Mrd. Dollar neu angelegt werden müssen, wenn der Fonds weiterhin den IT-Sektor nach Definition von MSCI und S&P abbilden soll. Die Indexanbieter nehmen jeweils die größte Erlösquelle des Unternehmens als Basis für seine Sektorzuordnung. Winton berechnet aber eigene Sektoren. So lasse sich durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz und der Auswertung von Geschäftsberichten eine genauere Zuordnung machen. Winton meint, damit aktuelle Branchentrends besser erfassen zu können und unerwünschte Anlagerisiken auszuschalten. Die damit gewonnen Erkenntnisse würden im Investmentprozess schon umgesetzt.

(Börsen-Zeitung, 22.09.2018)

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