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Börsen-Zeitung: Kein Scherz! – Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) – Zum Auftakt des vierten Monats des Jahres geschrieben und dennoch kein Aprilscherz: Der Euro hat im ersten Quartal gegen den Dollar um nahezu 5% aufgewertet! Welcher Analyst hätte sich zum Jahreswechsel getraut, ausgerechnet das zu prognostizieren. Schließlich war doch vorgezeichnet, dass sich die geldpolitische und damit auch die Zinsschere zwischen dem Euroraum und den Vereinigten Staaten noch weiter öffnen würde. Es kam jedoch nicht ganz so wie erwartet. Die amerikanische Notenbank Fed hat nach der im Dezember erfolgten Einleitung der Leitzinswende angesichts der etwas zu unrund laufenden Weltwirtschaft beschlossen, den Druck auf die Bremse etwas zu reduzieren. Sie ließ den zuvor als gesetzt geltenden Märztermin für die zweite Leitzinserhöhung verstreichen, und ihre Vertreter lassen derzeit kaum eine Gelegenheit aus, zu betonen, dass die Fed Funds Rate nur ganz, ganz gemächlich auf ein halbwegs normales Niveau zurückkehren wird.

1300 Euro pro Nase

Allerdings öffnet sich die geldpolitische Schere ungeachtet dessen weiter. Denn die Fed hat lediglich die Füße stillgehalten, während die Europäische Zentralbank (EZB) weiter unverdrossen Gas gibt, und dies voraussichtlich weiterhin tun wird. Zum Quartalsultimo und damit einen Tag zu früh, um dem Verdacht eines Aprilscherzes ausgesetzt zu werden, erschien ein hochinteressantes Research-Stück der Nordea. Darin war zu lesen, dass es sich die EZB leisten könnte, schlappe 444 Mrd. Euro bzw. 1300 Euro pro Nase aus dem Helikopter auf die Bevölkerung des Euroraums niederschneien zu lassen, um damit die Inflation endlich auf das gewünschte Niveau zu hieven. Wie das aber die Erdölförderer Mitte dieses Monats in ihren Gesprächen in Doha dazu bewegen soll, tatsächlich ihre Produktion so zu reduzieren, dass die Teuerung auch eine Chance hat, schnell genug anzuziehen, ist derzeit ebenso unbekannt wie die Flugrouten der Hubschrauber.

Vor rund drei Monaten wäre wohl auch ein Anlagestratege nur noch milde belächelt worden, der prophezeit hätte, dass sich Bundesanleihen im Auftaktquartal als eines der Assets erster Wahl entpuppen würden. Ausgerechnet mit einer hohen Gewichtung deutscher Staatstiteln bei gleichzeitig langer Duration wären Investoren jedoch gut gefahren. Die zehnjährigen Bundesanleihen haben sich nämlich wieder ihrem knapp über der Nulllinie liegenden Rekordtief aus dem zurückliegenden Jahr angenähert. Ein Rückgang um 44 Basispunkte der zur Jahreswende noch bei 0,60% liegenden Rendite hat den Haltern dieser Papiere einen Gesamtertrag von rund 4,5% eingebracht, der nicht zu verachten ist. Aktien sind dagegen der Favoritenrolle, die ihnen noch zur Jahreswende zugedacht worden war, nicht ganz gerecht worden. Nach dem miserabelsten Start seit rund einem halben Jahrhundert reichte die im Februar begonnene Erholung des Dax nicht mehr aus, um die Bilanz noch zu retten. Ein Minus von rund 7% ist das schmachvolle Ergebnis. Wer auf die Aktie als die klar zu bevorzugende Anlage gesetzt hat, musste sich am ersten April angesichts einer Underperformance zu zehnjährigen Bundesanleihen von nahezu einem Dutzend Prozentpunkten als Opfer eines Scherzes fühlen.

Fairerweise muss zugestanden werden, dass die Stichtagsbetrachtung nicht ganz gerecht ist. Schließlich ist die Bilanz zum Quartalsultimo ein Zufallsergebnis der starken Marktschwankungen und wurde die hohe Volatilität von den Auguren auch völlig zutreffend vorausgesagt. Dass der Euro den jüngsten Ausflug über 1,14 Dollar zu einer ausgedehnteren Reise ausweiten kann und zehnjährige Bundesanleihen performanceträchtig in den negativen Renditebereich eintauchen werden, ist alles andere als eine ausgemachte Sache, und Aktien können das negative Ergebnis des ersten Quartals unter Umständen recht zügig ausbügeln. Die Herausforderungen an den Investor, die das erste Quartal aufgezeigt hat, bedeuten auch Chancen. Wer auf dem Tief im Februar bei 8699 Zählern den Dax gekauft hat, konnte sich Ende März eines hohen Ertrags von 14,5% erfreuen.

Das erste Quartal hat deutlich vor Augen geführt, wie unverzichtbar – aber eben auch potenziell profitabel – Flexibilität derzeit für Investoren ist. Gezeigt hat dies besonders das Schwellenländer-Problemkind Brasilien. Wer den Aktienindex Bovespa auf seinem Tief vom 20.Januar gekauft hat, hatte zum Quartalsultimo rund 35%, und ein in Dollar rechnender Anleger kam außerdem noch in den Genuss eines Währungsgewinns von ca. 16%.

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