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Börsen-Zeitung: Keine Zeit für Besinnlichkeit / Kommentar zum politischen Risiko am Aktienmarkt von Stefan Paravicini

Frankfurt (ots) – Am Aktienmarkt geht es drunter und drüber. Die Unsicherheit über den Kurs der US-Notenbank, die Sorgen über eine Eskalation der Handelskonflikte zwischen den USA, China und der Europäischen Union, die Verlangsamung der US-Konjunktur und seit Neuestem auch wieder der Haushaltsstreit in Washington werden am häufigsten als Gründe für die Nervosität genannt. Dass die Steigung in einem Teil der US-Zinsstrukturkurve kurz vor Weihnachten erstmals seit zehn Jahren ins Negative drehte, was Beobachter als Zeichen für eine nahende Rezession sehen, trägt ebenfalls nicht zur Besinnlichkeit bei.

Für die größte Unruhe an den Märkten sorgte vor den Feiertagen US-Finanzminister Steven Mnuchin, der am Wochenende mit der Mitteilung überraschte, dass die Spitzen der US-Banken ihm versichert hätten, trotz der Marktturbulenzen keine Liquiditätsschwierigkeiten zu haben. Ebenfalls am Sonntag kündigte er an, sich an Heiligabend mit der US-Notenbank, der Börsenaufsicht SEC und mit weiteren Aufsehern kurzzuschließen, die gemeinsam den Financial Stability Oversight Council der US-Regierung bilden.

Das Kommuniqué des Ministers sollte die Marktteilnehmer wohl beruhigen, sorgte aber für das Gegenteil. Im besten Fall reagierten sie mit Verwunderung, da zehn Jahre nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise die Liquiditätsrisiken bei den wieder erstarkten US-Geschäftsbanken bis zur unaufgeforderten Entwarnung durch das US-Treasury eigentlich kein Thema waren.

Was genau Mnuchin bewogen hat, nicht nur mit den Spitzen der US-Banken zu telefonieren, sondern darüber in den sozialen Medien Auskunft zu geben und ungewollt Zweifel an der Solidität der Banken zu wecken, ist nicht bekannt. Mit Donald Trump soll die Kommunikation nicht abgesprochen gewesen sein. Mnuchin weiß aber, dass der US-Präsident den Aktienmarkt als Gradmesser für den Erfolg seiner Politik heranzieht, und könnte der Versuchung erlegen sein, eine Initiative für eine Stimmungsaufhellung am Aktienmarkt zu starten, um sein eigenes Standing im Weißen Haus zu verbessern.

Die Turbulenzen in der US-Regierung, die mit dem Rückzug von Verteidigungsminister James Mattis einen weiteren Höhepunkt erreicht haben, werden unter Druck der neuen Mehrheit im US-Kongress 2019 noch zunehmen. Das Regierungshandeln dürfte noch erratischer werden und zur Volatilität an den Märkten sogar noch einen größeren Beitrag als im turbulenten Jahr 2018 leisten.

(Börsen-Zeitung, 28.12.2018)

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