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Börsen-Zeitung: Kleinvieh macht auch Mist, Kommentar zu Union Investment von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) – Soll sich eine Fondsgesellschaft mit verwaltungsaufwendigem Kleinkram wie vermögenswirksamen Leistungen (VL) oder Riester-Sparen abgeben? Die Diskussion wurde ja beispielsweise bei Einführung der staatlich geförderten Altersvorsorge Anfang des Jahrhunderts intensiv geführt. Bis heute bieten längst nicht alle Assetmanager solche Produkte an. Doch der Erfolg von Union Investment wie auch der DekaBank mit Angeboten für ratierliches Sparen belegt einmal mehr die aus dem 19. Jahrhundert überlieferte Erkenntnis, dass auch Kleinvieh Mist macht, wobei “Mist” in der Redewendung bekanntlich für Ertrag steht. Damit der sich irgendwann einstellt – für den Anleger wie für den Anbieter -, muss man halt nur irgendwann einmal anfangen.

Union Investment kam Ende des vorigen Jahres auf 4,3 Millionen Sparverträge. Auch die Deka näherte sich nach den jüngsten Zahlen der Marke von 4 Millionen und dürfte diese mittlerweile überschritten haben. Bei den Genossen, die für ihre erste Million fast 60 Jahre brauchten, sind es drei Jahre später 1,9 Millionen Sparpläne ohne Riester. Das “Riestern” bringt noch einmal die gleiche Zahl, hinzu kommen die VL-Sparer. Doch längst handelt es sich nicht mehr um Kleinvieh. Für das Fondshaus ist es ein profitables Milliardengeschäft – die Hälfte der Mittelzuflüsse von Privatkunden von zuletzt 10 Mrd. Euro entfiel auf das ratierliche Sparen. Und aus der Perspektive der Kunden ist hier das durchschnittliche Volumen heute sogar höher als jenes von Einmalanlagen. Die monatliche Einzahlung beträgt im Mittel nicht gerade kleine 233 Euro.

Zusammen mit anderen Geldanlegern werden sich Riester-, VL- und sonstige Fondssparer in Berlin bedanken, wenn ihr Monat für Monat vom Kleinvieh produzierter Mist, also Ertrag, gemäß dem Willen der möglichen neuen großen Koalition künftig mit höherer Kapitalertrag- und obendrein noch Finanztransaktionssteuer belastet wird. Dies gehört, zumal in einer Zeit, in der die Sparer schon durch die Zinspolitik der EZB in Verbindung mit der Inflation enteignet werden, zu den größten Schnapsideen im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Die Altersvorsorge erst mit Zulagen und Sonderausgabenabzügen zu fördern, um die Erträge, soweit vorhanden, dann zusätzlich zu belasten, erscheint nicht wirklich schlüssig.

Noch ein Tipp für die Politik: Hier gilt die Regel “Kleinvieh macht auch Mist” übrigens ausnahmsweise nicht. Weil nämlich der bürokratische Aufwand für den Fiskus höher wäre als die Steuermehreinnahmen.

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