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Börsen-Zeitung: Märkte in Aufruhr, Kommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) – Nicht weniger als der Sieg Donald Trumps werfen auch die Reaktionen der Märkte darauf sämtliche Erwartungen über den Haufen. Von einem Einbruch an den Aktienmärkten war – bis auf eine kurze Phase am Mittwochmorgen – nichts zu sehen. Im Gegenteil: Die Notierungen haben angezogen, der Dow Jones Industrial Average ist sogar auf ein Rekordhoch geklettert. Auch die sicheren Assets weigern sich, sich an die vor der Wahl geschriebenen Drehbücher zu halten. Treasuries und Bundesanleihen, in die sich die Investoren im Falle des Erfolgs des Republikaners eigentlich flüchten sollten, stehen ebenso wie der Goldpreis unter Druck. In der abgelaufenen Woche haben sich an den weltweiten Anleihemärkten bis einschließlich Donnerstag – gemessen am Global Bond Market Index von Bank of America Merrill Lynch – mehr als 1 Bill. Dollar in Rauch aufgelöst. Gleichzeitig erhöhte sich die weltweite Aktienmarktkapitalisierung um 1,3 Bill. Dollar, wie Bloomberg am Freitag berichtete.

Kein Zweifel: Durch den überraschenden Erfolg des Republikaners ist die amerikanische Präsidentschaftswahl auch an den Finanzmärkten das Ereignis des Jahres geworden. Es ist absolut beeindruckend, wie Trump die Märkte beeinflusst und durcheinanderwirbelt. Kaum hatte er mit seinen ersten Worten nach dem Sieg versöhnliche Töne angeschlagen, beendeten die Aktienmärkte ihren Einsturz und vollzogen ebenso wie der Dollar die Kehrtwende, während die Anleihen und Gold ins Rutschen gerieten.

Restriktivere Geldpolitik

Die Märkte sind nun zu dem Schluss gekommen, dass Trumps Präsidentschaft für Aktien – unabhängig von unterschiedlichen Brancheneffekten – insgesamt positiv sein wird. Die von ihm angekündigten umfangreichen Infrastrukturinvestitionen und Steuersenkungen bestätigen diejenigen, die darauf setzen, dass die bislang dominierenden und in ihrer Wirksamkeit an Grenzen stoßenden geldpolitischen Impulse von fiskalischen Impulsen abgelöst werden. Das geht zu Lasten der Anleihemärkte, die unter der Befürchtung leiden, dass Trumps Politik inflationär wirken, die Staatsverschuldung hochtreiben und eine spürbar restriktivere US-Geldpolitik zur Folge haben wird als bislang angenommen.

Hauptleidtragende des politischen Umschwungs in den Vereinigten Staaten sind die Emerging Markets. Ihre Erholung hat ein abruptes Ende gefunden, ihre Währungen sind in den freien Fall übergegangen. Mexikos Peso fällt von Rekordtief zu Rekordtief, die Notenbanken Indiens und Indonesiens griffen am Freitag an den Devisenmärkten ein. Das erinnert an das Jahr 2013, als die Ankündigung des Fed-Chairman Ben Bernanke, die Anleihekäufe der Notenbank zu reduzieren, den Dollar hochtrieb und die Emerging Markets auf Talfahrt schickte.

Der Aufschwung an den Aktienmärkten ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Tatsächlich ist in vielerlei Hinsicht noch unklar, wie die Politik des Präsidenten Trump tatsächlich aussehen wird. Zudem bergen die bekannten Vorhaben Risiken. In den Hintergrund gedrängt worden ist die Tatsache, dass erhebliche Einschränkungen des freien Handels für Wachstum und Unternehmensgewinne sehr schädlich wären.

Risikofaktor Bondmärkte

Das würde positive Auswirkungen erhöhter Staatsausgaben konterkarieren. Diese sind überdies nicht nachhaltig und bergen ebenfalls erhebliche Risiken. Ein heftigerer Einbruch an den Bondmärkten würde die Aktienmärkte in Mitleidenschaft ziehen und überdies die Finanzierungskosten der Unternehmen erhöhen. Eine Folge davon wäre, dass die umfangreichen Aktienrückkäufe der amerikanischen Unternehmen, die eine wichtige Stütze der Wall Street sind, reduziert würden. Außerdem würde ein deutlich stärkerer Dollar die Wettbewerbsposition der US-Wirtschaft schwächen beziehungsweise die Unternehmensergebnisse belasten. Nicht zuletzt können Kapitalumschichtungen aus den Schwellenländern in die USA zwar vorübergehend stützen. Verstärkt sich dies jedoch zu einer neuen Emerging-Market-Krise, wäre auch damit niemandem gedient. Es muss daher darauf gehofft werden, dass Trump sich als Präsident letztlich zu einer relativ maßvollen Politik durchringt, sowohl was Handelsbeziehungen als auch was seine Ausgabenpolitik betrifft. Vor diesem Hintergrund werden die Marktakteure in den kommenden Wochen sehr genau auf Äußerungen Trumps und seiner sich formierenden Regierungsmannschaft achten. Für anhaltende Volatilität dürfte gesorgt sein.

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