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Börsen-Zeitung: Mangelhaft, Kommentar zur Linde-Hauptversammlung von Joachim Herr

Frankfurt (ots) – Versetzung gefährdet: So mahnend fiele das Zeugnis für den Vorstand und den Aufsichtsrat von Linde aus, wenn ihre Aktionäre Lehrer wären. Auf der Hauptversammlung gab es die Zensuren für das Durcheinander im Vorstand im vergangenen Jahr und für das von reichlich Gegenwind begleitete Bemühen um eine Fusion mit Praxair: ein Ungenügend in der Unternehmensführung und ein Mangelhaft in der Kommunikation mit dem Kapitalmarkt.

Der einstige Musterschüler Wolfgang Reitzle musste dieses Mal eine Menge Tadel einstecken. Vor einem Jahr bejubelten Aktionäre noch seine Rückkehr in den Münchner Konzern – auch wenn seine Wahl in den Aufsichtsrat mit 93% der Stimmen nicht der Note Eins mit Stern entsprach.

Nun weckt Reitzle als treibende Kraft und Architekt einer Fusion auf deutscher Seite zu Recht Zweifel an einer sauberen Trennung der Aufgaben von Vorstand und Aufsichtsrat. Offenbar läuft er sich schon für seine Rolle als Chairman eines gemeinsamen Konzerns warm. Diese Funktion gäbe ihm eine größere Macht im Vergleich zum Aufsichtsratsvorsitzenden.

Wie wichtig ihm das deutsch-amerikanische Projekt ist, bewies Reitzle mit einer flammenden Rede vor der Abstimmung auf dem Aktionärstreffen. Zu spüren war seine Wut, die sich in letzter Zeit wegen der Kritik an ihm – vor allem von der Arbeitnehmerseite – und am geplanten Zusammenschluss aufgestaut hatte.

Dagegen verpasste Vorstandschef Aldo Belloni die Chance, die Aktionäre von den Vorzügen einer Fusion zu überzeugen. Er blieb mit sperrigen Begriffen wie “transformatorische Projekte” vage. Selbst auf Nachfrage blieb er klare Worte schuldig. Das passt zu den spärlichen Informationen, mit denen Linde die Anstrengungen für eine Fusion bisher begleitet.

Auch für die Verfechter der Aktionärsdemokratie war die Hauptversammlung eine Enttäuschung. Die Forderung der Deutschen Schutzvereinigung, die Anteilseigner abstimmen zu lassen, verhallte ohne Resonanz. Der Linde-Vorstand verschanzt sich weiterhin hinter juristischen Argumenten. Und die Aktionärsvereinigungen sind sich uneins: Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hält das Angebot zum Aktientausch für ausreichend – ohne eine Abstimmung. Der entscheidende Schritt für oder gegen eine Fusion folgt jedoch demnächst im Aufsichtsrat. Die Arbeitnehmerseite zu überzeugen oder sich mit seiner Zweitstimme durchzusetzen wird Reitzles große Kraft- und Machtprobe.

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Telefon: 069–2732-0 www.boersen-zeitung.de

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