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Börsen-Zeitung: Mini-Trippelschrittchen, Kommentar zur EZB von Mark Schrörs

Frankfurt (ots) – Die Europäische Zentralbank (EZB) schätzt die Lage der Euro-Wirtschaft zwar optimistischer ein als noch vor wenigen Wochen – zugleich aber dominieren aus ihrer Sicht weiter die Abwärtsrisiken. Zudem hat EZB-Chef Mario Draghi zwar signalisiert, dass der EZB-Rat aktuell kaum Bedarf an weiteren geldpolitischen Lockerungsübungen sieht – zugleich aber hält dieser an der expliziten, einseitigen Bereitschaft fest, mehr zu tun.

Positiv gewendet könnte man sagen, die EZB macht sich in Mini-Trippelschrittchen auf in Richtung einer neutralen Risiko- und Politikeinschätzung, die überhaupt erst die Voraussetzung dafür ist, den Exit aus der lockeren Geldpolitik anzugehen. Nüchtern betrachtet aber scheint es, dass der Einstieg in den Ausstieg und selbst eine ernsthafte Debatte darüber weiter auf die lange Bank geschoben wird. Und das ist negativ: Denn mindestens die Diskussion ist längst überfällig.

Natürlich stimmt es, dass die Inflation von zuletzt 2,0% schon im Sommer wieder nachgeben wird. Aber die EZB selbst sieht sie in den nächsten drei Jahren stabil bei 1,6% bis 1,7%. Das rechtfertigt, zumal bei einer über Potenzial wachsenden Wirtschaft, keine Geldpolitik, die noch lockerer ist als auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise. Im Übrigen: Selbst wenn die EZB schneller als bislang absehbar die Normalisierung startete, bliebe die Geldpolitik noch auf Jahre extrem expansiv.

Natürlich mag es auch sein, dass die Euro-Hüter einen Wechsel ihres erst im Dezember eingeschlagenen Kurses fürchten, weil das wie ein Eingeständnis eines Fehlers wirken könnte. Aber Augen zu und durch ist jetzt ganz sicher auch nicht die richtige Strategie. Und natürlich ist die Vorsicht vor den Wahlen in den Niederlanden und speziell Frankreich bis zu einem gewissen Grad verständlich. Aber selbst wenn die Populisten nicht triumphieren, ist damit nicht alle Unsicherheit beseitigt. Brexit, Italien, USA – die Liste potenzieller Risiken ist lang. Aber deswegen darf der Exit nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertagt werden.

Und schließlich: Natürlich ist die Mehrheit der EZB-Granden nach den vergangenen Jahren aktuell wohl geneigt, lieber etwas zu lang mit dem Ausstieg zu warten, als selbigen zu früh einzuläuten. Aber ein zu später Ausstieg kann mindestens genauso gefährlich sein wie ein zu früher. Neben der Gefahr für stabile Preise sind Fehlallokationen in der Wirtschaft, Fehlanreize für Staaten sowie mögliche Preisblasen das eine. Das andere aber ist: Je länger sich die EZB Zeit lässt, desto größer wird der Druck am Ende, schneller zu straffen. Das könnte gerade jene Turbulenzen verursachen, die sie derzeit auf Teufel komm raus verhindern will.

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