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Börsen-Zeitung: Monopoly in reifen Märkten, Kommentar zu Industriegasen von Michael Flämig

Frankfurt (ots) – Linde vom Thron gestoßen, Air Liquide steigt zum Branchenprimus im Industriegasegeschäft auf. So plakativ lässt sich der geplante Kauf von Airgas für mehr als 13 Mrd. Dollar zusammenfassen. Gewinner und Verlierer wären damit benannt: Die Franzosen dürfen strahlen, die Deutschen müssen in Sack und Asche gehen. Die Story ist aber komplexer, wie bereits die Reaktion der Aktienmärkte vermuten lässt. Linde wurde zwar niedriger bewertet, Air Liquide aber drastischer in den Keller geschickt. Letztlich weist das Branchenmonopoly über den Gasemarkt hinaus: Es ist ein Lehrstück für die Nöte arrivierter Konzerne in reifen Märkten.

Der Ausgangspunkt: Air Liquide greift tief in die Tasche. Dies zeigt ein Vergleich. Nur fünf Jahre ist es her, dass Forderungen der Airgas-Aktionäre einen Verkauf – damals an Air Products – verhinderten. Das Preisschild erscheint aus heutiger Sicht niedlich. 78 Dollar pro Aktie wurden verlangt, aber nur 70 Dollar geboten. Heute legen die Franzosen 143 Dollar auf den Tisch. Sie zahlen gut das 13-Fache des operativen Gewinns, während im Jahr 2010 das 11-Fache des Ebitda überteuert schien.

Dies ist Ausdruck einer Preisblase. Wieder einmal wirken die niedrigen Zinsen als Treibsatz. Geringe Finanzierungskosten und aufgehäufte Liquidität ermöglichen dem Air-Liquide-Management, einen unmittelbar steigenden Gewinn pro Aktie zu versprechen. Gemacht wird, was finanzierbar erscheint – auch wenn eine Ratingabstufung unausweichlich ist. Die Aktionäre baden den überteuerten Kauf zumindest kurzfristig aus.

Was treibt das Air-Liquide-Management? Die Suche nach Wachstum und damit nach Skaleneffekten. Der reife Industriegasemarkt, zudem oligopolistisch strukturiert, macht organische Expansion zu einer Kärrnerarbeit. Der große Sprung qua Big Deal erscheint attraktiver, wie für viele Firmen in wachstumsschwachen Märkten. Strategisch ist die Offerte von Air Liquide smart, weil Kundenzugang gekauft wird. Vereinfacht gesprochen sind die Franzosen ein Produzent, während Airgas ein Verteilnetzwerk in den USA dirigiert. Dies verspricht neben Kosten- auch Ertragssynergien.

Was bedeutet dies für Linde-Aktionäre? Kurzfristig ist keine Gefahr im Verzug. In den USA gibt es kaum Konkurrenz: Airgas bedient kleinere Kunden mit Zylindern, Linde ist spezialisiert auf große Anlagen. Mittel- und langfristig aber kann der Verdrängungswettbewerb wirken, der für reife Märkte typisch ist. Sollte Air Liquide samt Airgas synergetisch wachsen, wird dies auch auf Kosten von Linde gehen. Dieses Risiko spiegelt der Kursabschlag der Linde-Aktie.

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Telefon: 069–2732-0 www.boersen-zeitung.de