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Börsen-Zeitung: Nur Druck zeigt Wirkung, Kommentar zu Vorstandsgehältern von Sebastian Schmid

Frankfurt (ots) – Bill McDermott und SAP stehen derzeit beide auf Platz 1 – er ist der bestbezahlte Vorstandschef im Dax, der Softwarekonzern der schwerste Wert im deutschen Leitindex. Das passt auf den ersten Blick zusammen. Doch der Widerstand von Investoren und Stimmrechtsberatern fällt gewaltig aus. Mehrere Schwergewichte wollen dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern, der ein Vergütungssystem zugelassen hat, das dem Vorstand für 2016 43 Mill. Euro hätte beschert hat.

In einem Brief an die Mitarbeiter führt McDermott eloquent aus, welche Erfolge SAP in den vergangenen Jahren eingefahren hat. Seit der Finanzkrise wurde der Umsatz verdoppelt. Die Marke zähle zu den wertvollsten der Welt. Die ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele habe man erreicht und organisch wachse kein Cloud-Anbieter schneller.

Fraglos, SAP hat in den vergangenen Jahren hervorragend gewirtschaftet, was sich auch an der Börsenbewertung (aktuell 116 Mrd. Euro) ablesen lässt. Binnen zwei Jahren könnte diese auf mehr als 250 Mrd. Euro steigen – so hat es sich jedenfalls der Vorstand im 2016 unterschriebenen Vergütungsvertrag vorgenommen. Doch auch wenn er sachlich viele Argumente auf seiner Seite hat, können SAP und McDermott einer Realität nicht entkommen. Üppige Gehaltsaufschläge und intransparente Bonusregelungen fallen aus der Zeit. Weltweit regt sich längst nicht nur bei Sozialromantikern und der Politik der Widerstand gegen extrem hohe Gehaltsgefälle.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse ist in den vergangenen Jahren global erodiert. Das zeigen nicht zuletzt die Wahlergebnisse in den USA und Großbritannien, wo vom Wohlstand abgehängte Bevölkerungsschichten radikal wählen und nur noch wenig Bedarf für gesellschaftliche Kontinuität sehen. Auch unter Investoren wächst der Unmut. Zwar dürfen sie seit der Finanzkrise immer öfter über die Vergütungspläne ihrer Unternehmen abstimmen.

Bindend sind ihre Voten meist aber nicht. Oracle hat über Jahre keine Mehrheit für ihre üppigen Multimillionenvergütungen erhalten und dies einfach ignoriert. SAP hatte vergangenes Jahr nur eine hauchdünne Mehrheit für den neuen Vergütungsplan und macht nahezu weiter, als ob dies ein kleiner Betriebsunfall war. Dass Philips freiwillig auf eine Abstimmung über den neuen Vergütungsplan verzichtet, ist auch kein Anzeichen von Einsicht: Für die Niederländer wäre das Ergebnis bindend gewesen. Dies zeigt eben wieder: Nur Druck zeigt Wirkung.

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