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Börsen-Zeitung: Paranoia für alle, Kommentar zur Cybersicherheit von Stefan Paravicini

Frankfurt (ots) – The Paranoids werden die Verantwortlichen für die IT-Sicherheit bei Yahoo gerufen. Bei jeder Idee aus der Entwicklungsabteilung kommen sie mit Bedenken daher, weshalb es immer wieder ordentlich kracht, auch wenn der CEO mit am Tisch sitzt. So will es die Firmenchronik, aus der das durch Konkurrenten wie Google oder Facebook in Bedrängnis geratene Unternehmen gerne die Geschichte der unerschrockenen Verfechter von Sicherheitsbelangen vorliest, wenn es der Marke hilft.

Doch Paranoia allein hilft offenbar kaum. Denn Yahoo, die erst im September einräumen musste, dass der Konzern schon 2014 Opfer des bislang größten öffentlich bekannt gewordenen Hackerangriffs war, bei dem mehr als 500 Millionen Nutzerkonten kompromittiert wurden, hat jetzt noch ein Jahr zurück geblättert und festgestellt, dass 2013 Daten von einer Milliarde Nutzern geklaut wurden. Damit ist die natürliche Grenze erreicht, weil Yahoo insgesamt etwa eine Milliarde Nutzer zählt.

Wieder sind keine Zahlungsdaten betroffen, wie Yahoo eilig erklärt. Sind Passwörter, Sicherheitsfragen und andere bei Internetdiensten wie Yahoo hinterlegte Daten aber einmal im Umlauf, macht das die digitale Identität auch an anderer Stelle angreifbar. Und wer weiß schon, ob es den Angreifern um die Kreditkarten geht? Das Motiv, mit den erbeuteten Daten einen Zahlungsfluss auszulösen, steht bei Cyberkriminellen zwar an erster Stelle. Staatliche Akteure, die Yahoo hinter den Angriffen vermutet, haben oft eine andere Agenda. Mit Daten von mehr als 150.000 US-Regierungsbeamten, die von dem Hack betroffen sein sollen, ist beiden geholfen. Im Darknet gehen nicht nur Email-Accounts von Mitarbeitern einer US-Präsidentschaftskandidatin zu Bestpreisen weg.

Für Yahoo ist der jetzt offenbarte Einbruch auch deshalb eine Bankrotterklärung, weil das Unternehmen erneut von Seiten Dritter darauf hingewiesen werden musste, dass Daten ihrer Nutzer im Umlauf sind. Die Angreifer mussten sich offenbar nicht einmal wie bisher die Mühe machen, durch die Hintertür einzubrechen, sondern konnten direkt den Quellcode manipulieren und haben am Haupteingang eine Schiebetür eingebaut.

Man muss nicht paranoid sein, um davon ausgehen zu können, dass der Mobilfunkkonzern Verizon die Übernahme von Yahoo – wenn überhaupt – nicht zum vereinbarten Preis von 4,8 Mrd. Dollar durchziehen wird. Der einst stolze Internetpionier hat sich zum Schaden auch den Spott über “The Paranoids” verdient und ist doch nur der größte bislang bekannte Cyber-GAU.

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