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Börsen-Zeitung: Powerhouse, Kommentar zu Infineon von Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) – Bis vor wenigen Jahren war Infineon noch ein hässliches Entlein. Die frühere Siemens-Konzerntochter war berüchtigt für negative Sondereffekte, die die Bilanz regelmäßig verhagelten. Und heute? Deutschlands größter Chipkonzern hat sich zu einem Powerhouse gewandelt. Vorstandschef Reinhard Ploss glänzt mit guten Zahlen und einem Ausblick, der das gewachsene Selbstbewusstsein des Dax-Konzerns spiegelt. Der nach der Sanierung vor fünf Jahren eingeschlagene Expansionskurs im lukrativen Geschäft mit Leistungshalbleitern und der Anfang dieses Jahres abgeschlossene Erwerb des US-Wettbewerbers Rectifier tragen Früchte. In dieser Gemengelage reagierten die Anleger auf das jüngste Zahlenwerk nahezu überschwänglich.

Bislang hat Ploss bei der Neuausrichtung des Konzerns vieles richtig gemacht. Das wird von der Börse honoriert. Sogar den mit 3 Mrd. Dollar relativ teuer erworbenen Chipspezialisten aus Kalifornien hat die Firma mit Sitz in Neubiberg bei München in relativ kurzer Zeit gut verdaut. Rectifier trägt heute bereits deutlich zum Gewinnschub bei – und damit viel früher als geplant. Selbst der kleine Durchhänger im China-Geschäft im Sommer scheint nur eine kurze Episode in der Equity Story gewesen zu sein. Ist in diesem Umfeld die Wahrscheinlichkeit groß, dass Infineon beim Thema Mergers & Acquisitions in absehbarer Zeit nochmals einen Milliardendeal wagt? Die Antwort lautet: eher nicht. Der weltweite Chipmarkt ist überhitzt. In der Konsolidierung werden mittlerweile Mondpreise gezahlt, die sich operativ nicht mehr rechtfertigen lassen. Nach dem Zukauf an der US-Westküste schafft Infineon ihre selbst gesteckten Wachstumsziele aus eigener Kraft. Auf eine weitere größere Übernahme ist der Konzern daher strategisch nicht mehr angewiesen.

Auf Basis ihrer selbst gesteckten Finanzierungsvorgaben könnte Infineon für einen weiteren Zukauf noch bis zu 2 Mrd. Euro an Fremdkapital aufnehmen. Damit hätte die Spekulation, dass Infineon auf den japanischen Konkurrenten Renesas (10 Mrd. Euro Marktwert) ein Auge wirft, auch auf dieser Ebene keine Substanz. Ist aber Infineon mit einer Marktkapitalisierung von 15 Mrd. Euro für andere ein lohnendes Übernahmeziel? Bei einem Streubesitz von 100 Prozent eigentlich schon. Amerikanische Wettbewerber, die über hohe Cash-Bestände verfügen, könnten sich die Firma locker leisten. Doch im Frühjahr 2009 wäre der Konzern mitten in einer Existenzkrise für rund 300 Mill. Euro zu haben gewesen. Damals griff aber niemand zu.

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Telefon: 069–2732-0 www.boersen-zeitung.de