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Börsen-Zeitung: Projekt Glaskugel, Kommentar zu Daimler von Isabel Gomez

Frankfurt (ots) – Manchmal ist es ganz einfach, die Zukunft vorherzusagen: Bei der heutigen Analystenkonferenz des Autokonzerns Daimler wird die geplante Aufspaltung in rechtlich selbständige Einheiten unter dem Dach einer Daimler-Mutter – das Projekt Zukunft – sicher im Mittelpunkt stehen. Für den Markt ist derzeit wenig interessanter als die Frage, wie die größte Umstrukturierung seit der Trennung von Chrysler 2007 im Detail aussehen wird und, vor allem, ob sie auf einen Teilbörsengang, etwa der künftigen Daimler Trucks & Buses AG, hinausläuft. Denn genau das fordern einzelne Investoren.

Meistens ist die Zukunft aber schwer vorherzusagen. Daher ist Finanzchef Bodo Uebber bei Detailfragen zur Struktur schmallippig. Zum Ärger mancher Marktteilnehmer, die ihre IPO-Fantasie gerne bestätigt hätten. Auch wenn das den Aktienkurs beflügeln würde: Schmallippigkeit ist in der derzeitigen Situation des Konzerns und der Branche nur sinnvoll.

Der Vorstand ist von den Plänen überzeugt, der Aufsichtsrat auch, sonst wäre das Vorhaben nicht mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbudget und einigen hundert Mitarbeitern in der Vorbereitungsphase. Die laufende Prüfung – eine komplette Due Diligence bei 700 Gesellschaften in 60 Ländern – soll bis Ende des Jahres zumindest für die größten Auslandstöchter abgeschlossen sein. Taucht dabei nur ein größeres Problem auf – was in der Branche derzeit nicht utopisch ist – könnte die Aufspaltung schnell vom Tisch sein.

Auch wenn die Prüfung positiv ausfällt, bleibt unklar, unter welchen Rahmenbedingungen Daimler 2019, wenn die Hauptversammlung frühestens über die Trennung entscheidet, arbeitet. Der rasante technologische Wandel, die Diesel-Debatte und die Kartellvorwürfe sind eine explosive Mischung potenzieller negativer Einflussfaktoren. Auch innerhalb der jetzigen Struktur können sich binnen Jahresfrist noch Änderungen ergeben, die Einfluss auf die Pläne haben könnten. Etwa wenn Car2go mit dem BMW-Carsharing Drivenow fusioniert.

Uebber nennt die künftige Struktur eine “Möglichkeit für flexible Maßnahmen, die man auch danach angehen kann”. Vorstandschef Dieter Zetsche sieht “Handlungsspielraum für mögliche künftige Schritte, die in alle Richtungen gehen können”. Wobei Uebber einen Verkauf “kompletter Unternehmensteile” ausschließt. Teilbörsengänge sind explizit nicht ausgeschlossen. Vielmehr lassen die Formulierungen den beiden jenen Spielraum, den sie mit Blick auf die unsichere Zukunft wollen.

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