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Börsen-Zeitung: Sonnyboys / Kommentar von Andreas Hippin zum Kursrutsch von Thomas Cook

Frankfurt (ots) – Wenn einen noch etwas an der jüngsten Hiobsbotschaft von Thomas Cook zu überraschen vermag, dann ist es der Kursrutsch, den sie nach sich zog. Wer die Aktie des 177 Jahre alten Reiseveranstalters zu diesem Zeitpunkt noch hielt, sollte sich eigentlich darüber im Klaren gewesen sein, worauf er sich einließ. Das Management informierte zwar nur scheibchenweise über die bedauerliche Geschäftsentwicklung. Aber die Richtung war vorgezeichnet: Schon Ende Juli hatten die charmanten Sonnyboys aus der Chefetage die Anleger darauf eingestimmt, dass das um dies und jenes bereinigte Betriebsergebnis am unteren Ende der bisherigen Erwartungen hereinkommen wird. Das hätte 323 Mill. Pfund entsprochen. Ende September rechnete die FTSE-250-Gesellschaft nur noch mit 280 Mill. Pfund. Der ungewöhnlich heiße Sommer habe dazu geführt, dass sich viele Angebote nur mit starken Preisnachlässen verkaufen ließen. Dem folgte der Abgang des Finanzchefs. Und nun sollen es nur noch 250 Mill. Pfund werden, unter anderem weil die sogenannten Transformationskosten – die Kosten der Kostensenkungen – unterschätzt worden waren.

Derart ungerechtfertigter Optimismus gehört, ebenso wie ein Hang zur Selbstüberschätzung, zu den hausgemachten Problemen von Thomas Cook. Das Unternehmen hat es bislang nicht geschafft, die jahreszeitlichen Schwankungen seines Geschäfts zu mildern. Ein Großteil des Gewinns wird in den Sommermonaten erwirtschaftet. Wenn sich die Kundschaft bei sonniger Witterung für Baggersee statt Benidorm entscheidet, verdunkeln sich die Geschäftszahlen merklich. Umso mehr, wenn man im unerschütterlichen Glauben, den richtigen Riecher zu haben, reichlich Hotelzimmer vorhält und die Flugzeugflotte ausbaut.

Dabei verhalf die Erholung der Airline CEO Peter Fankhauser noch zu einem halbwegs gesichtswahrenden Ergebnis. Leider spricht nicht viel dafür, dass sie sich fortsetzen wird. Wie viele Wettbewerber profitierte Thomas Cook von Faktoren, die sich dem Einfluss des Unternehmens entziehen. Der Rivale Monarch Airlines meldete im vergangenen Jahr kurz nach dem 50. Firmenjubiläum Insolvenz an. Niedrige Spritpreise und die Marktbereinigung auf der europäischen Kurzstrecke taten ein Übriges. Dieser Rückenwind lässt aber zusehends nach. Die 2016 nach fünfjähriger Pause wieder eingeführten Dividendenzahlungen wurden erneut ausgesetzt. Sie dürften nicht so schnell wieder aufgenommen werden.

(Börsen-Zeitung, 28.11.2018)

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