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Börsen-Zeitung: Stabilitätsanker, Kommentar zu Siemens Healthineers von Michael Flämig

Frankfurt (ots) – Siemens Healthineers hat im ersten vollen Geschäftsjahr als börsennotierte Gesellschaft das zentrale IPO-Versprechen gebrochen. Die Sparte Labordiagnostik startet nicht durch, sondern kommt mit dem neuen Produkt Atellica nur langsam voran und wird daher frühere Margenziele gar nicht oder höchstens stark verzögert erreichen. Doch am Tag der Jahrespressekonferenz, die dieses Versagen bilanziert, steigt der Aktienkurs auf ein Rekordhoch. Wie passt dies zusammen?

In der ersten Annäherung scheint die Antwort einfach zu sein: Es war seit Monaten bekannt, dass Healthineers nicht die angepeilten bis zu 2500 neuen Systeme verkaufen würde. Stattdessen sind nur gut 1800 Einheiten an den Mann gebracht worden. Der Aktienmarkt hat dies also seit Juli berücksichtigt.

Doch dies kann nicht die komplette Erklärung sein. Denn Siemens Healthineers glich die Bewertungsdelle am Montag mit dem Kurssprung um 9 Prozent mehr als aus und steht im Vergleich zum Sommer sogar besser da als der Schnitt der MDax-Konkurrenz.

Diese Performance spiegelt die Stabilität des Geschäftsmodells von Siemens Healthineers. Wenn Infrastruktur-Käufer weltweit ihre Budgets zusammenstreichen und wenn Handelskrieger sich in die Haare kriegen, wirkt sich dies bei Healthineers kaum aus. Krankenhäuser und Arztpraxen terminieren ihre Investitionen anders. Außerdem müssen Schwellenländer ihren Gesundheitssektor auch unter schwierigen Rahmenbedingungen ausweiten, um die Ansprüche der neuen Mittelschicht zufriedenzustellen. Meist wachsen daher die Ausgaben im Gesundheitssektor kontinuierlich. Abrupte Umsatzeinbrüche sind nur im Fall großer regulatorischer Eingriffe wahrscheinlich.

Siemens Healthineers ist aus einem weiteren Grund ein Stabilitätsanker. Die Sparte Bildgebende Systeme ist so stark, dass sie die Schwäche der Labordiagnostik überkompensiert. Das vergleichbare Umsatzwachstum von 10 Prozent im vierten Quartal des Geschäftsjahres (30. September) ist gigantisch, und von jedem umgesetzten Euro bleiben 22 Cent im bereinigten operativen Ergebnis hängen. Konkurrent General Electric leidet unter hausgemachten Problemen, so dass die Amerikaner immer weiter ins Hintertreffen geraten.

Healthineers kann sich trotzdem nicht zurücklehnen. Beispielsweise ließ die Umwandlung von Gewinn in Cash-flow im vergangenen Geschäftsjahr zu wünschen übrig. Mit dem Rekordkurs der Aktie hat der Konzern auch einen Vorschusslorbeer bekommen. Dieser muss nun verdient werden.

Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Telefon: 069–2732-0 www.boersen-zeitung.de

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