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Börsen-Zeitung: Suche nach Balance, Kommentar zu Verbriefungen von Andreas Heitker

Frankfurt (ots) – Dass auf europäischer Ebene nach äußerst zähen Verhandlungen ein Kompromiss über den Regulierungsrahmen für Verbriefungen gefunden wurde, ist durchaus bemerkenswert. Lange Zeit ging es in dem Gesetzgebungsprozess nicht voran, weil vor allem im EU-Parlament die Diskussionen sehr ideologisch geführt wurden und die Gegensätze kaum überbrückbar schienen. Verbriefungen gelten ja auch heute noch als eine der Hauptursachen für die Finanzkrise. Und was die USA und die vor zehn Jahren ausgebrochene Subprime-Krise angeht, gibt es daran auch wenig Zweifel. In Europa gab es diese Probleme mit solchen giftigen Papieren dagegen nicht. Der Markt ist trotzdem eingebrochen, und einige Abgeordnete sahen jetzt wohl die Chance, ihn im Zuge der Regulierungsdebatte vollends austrocknen zu lassen.

Dabei war die Idee der EU-Kommission durchaus bestechend, mit der Einführung des neuen STS-Labels (“einfach, transparent, standardisiert”) erstmals eine regulatorische Unterscheidung zwischen komplexeren und weniger risikobehafteten Papieren zu schaffen. Vertrieb und Marketing würden es wohl deutlich leichter haben. Und auch wenn es vielleicht keine 150 Mrd. Euro sein werden, wie es die EU-Kommission hofft, so würden doch beachtliche zusätzliche Finanzmittel für Unternehmer und institutionelle Investoren freigesetzt. Die neuen Verbriefungsregeln sind vielleicht der wichtigste Baustein bei der Entwicklung einer europäischen Kapitalmarktunion.

Ob der Markt die nun gefundene Lösung annehmen wird, ist aber noch längst nicht klar. Denn Brüssel sucht mit dem Kompromiss auch eine Balance zwischen Krisenbewältigung und Impulsgebung. Zwar hat man mit einem Selbstbehalt von 5% die Basel-Vorgabe bestätigt und Forderungen eines Selbstbehalts von bis zu 20% vom Tisch gefegt – aber die Risikogewichte steigen dennoch. Und – hier galt es, dem EU-Parlament ein Zugeständnis zu machen, – bei der Hierarchie der Berechnungsmethoden für die Kapitalanforderungen der Banken wurde das auf externen Ratings basierende Modell weiter nach hinten geschoben. Der etwas weniger risikosensitive Ansatz sollte den südeuropäischen Ländern Vorteile verschaffen.

Viel wird jetzt davon abhängen, wie klar die STS-Kriterien definiert und ausformuliert werden. Denn neues Vertrauen in den Markt kann nur entstehen, wenn dieser mehr Transparenz zeigt und wenn die unterschiedlichen nationalen Aufsichtsbehörden die Kriterien nicht unterschiedlich auslegen können.

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