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Börsen-Zeitung: Uff!, Kommentar zur Frankreich-Wahl von Detlef Fechtner

Frankfurt (ots) – Ganz so tiefenentspannt, wie man den Eindruck gewinnen konnte, sind die Anleger an den Finanzmärkten wohl doch nicht gewesen. Angesichts geringer Volatilität hatte sich zwischenzeitlich die Vermutung aufgedrängt, die Investoren ließen sich von augenfälligen politischen Risiken nicht beeindrucken. Am Montag jedoch, dem Tag nach dem ersten Wahlgang in Frankreich, dokumentierte die Kursrally, wie groß die Erleichterung ist, dass nicht Rechtsaußen Marine Le Pen und Linksaußen Jean-Luc Mélenchon das Präsidentschaftsfinale untereinander ausmachen werden. Dass Emmanuel Macron als klarer Favorit in die zweite Runde geht, sorgte an den Kapitalmärkten für ein kollektives Aufatmen – uff!

Aus Sicht der Anleger mag diese Erleichterung sogar nachvollziehbar sein. Investoren sind schließlich keine Leitartikler. Ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen bringen nicht ihre politischen Überzeugungen und Wünsche zum Ausdruck, sondern bewerten Risiken und Chancen konkreter Ereignisse. Und in der Tat ist nach dem ersten Wahlgang die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass Frankreich die EU verlässt oder die Eurozone auseinanderbricht.

Es wäre jedoch grob fahrlässig, auf Basis des Ausgangs der ersten Runde und der positiven Marktreaktion zu behaupten, die EU sei nun endlich auf gutem Wege, ihre Vertrauenskrise hinter sich zu lassen – so wie das in mancher Stellungnahme am Montag angedeutet wurde. Davon ist die Staatengemeinschaft leider noch meilenweit entfernt.

Die vergangenen Monate haben vor Augen geführt, wie die erstarkenden antieuropäischen Kräfte in den Niederlanden, in Österreich oder in Frankreich die Tagesarbeit in der EU verkomplizieren. Selbst wenn die Wilders und Hofers bisher noch nicht die obersten politischen Ämter in ihren Heimatländern erobert haben – und selbst wenn dies nun womöglich auch Le Pen nicht gelingen sollte -, so sorgen die Rechtsaußen doch dafür, dass die Kompromissbereitschaft der jeweiligen Regierungen spürbar sinkt. Denn die Premiers haben zusehends Angst, EU-Partnern entgegenzukommen, weil sie dann fürchten müssen, von den nationalen Kontrahenten vor dem heimischen Publikum vorgeführt zu werden. Das wiederum höhlt die Fähigkeit der EU aus, vernünftige Kompromisse zu schmieden, und mindert die Chance, europäische Lösungen zu finden, wie sie von Europas Bürgern zu Recht verlangt werden – letztlich ein Teufelskreis. Insofern kann beim Blick der EU-Nachbarn auf Frankreich derzeit von Entwarnung keine Rede sein.

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