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Börsen-Zeitung: Was ihr wollt, Kommentar zur Finanzstabilität von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) – Die Bundesbank stochert im Nebel der Risiken. Das ist gar nicht vorwurfsvoll gemeint. In einer Welt, die politisch wie ökonomisch vor Unwägbarkeiten strotzt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, in der es wenig gesichertes Wissen, dafür umso mehr falsche Gewissheiten gibt, in der auf Prognosen weniger Verlass ist denn je und in der die Fragen im Verhältnis zu den Antworten stark übergewichtet sind, in dieser Welt tun sich alle verantwortlichen Akteure naturgemäß schwer, auch nur halbwegs belastbare Orientierung zu geben. Das zeigen ja auch die ebenso unvorhergesehenen wie offensichtlich unentschlossenen Marktreaktionen auf das Brexit-Votum der Briten wie auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.

Man merkt es auch dem Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank und der Präsentation durch Vizepräsidentin Claudia Buch und Vorstandsmitglied Andreas Dombret an: Was ihr wollt. Die Spanne der Interpretationsmöglichkeiten reicht fast von “heile Welt” bis “kurz vor dem Weltuntergang”.

Beispiel Immobilienmarkt: “Das aktuelle makroökonomische Umfeld kann einen kreditfinanzierten Immobilienboom begünstigen.” Da werden nur wenige widersprechen. Doch eine damit einhergehende Bedrohung der Stabilität des Finanzsystems und daraus resultierend eine Notwendigkeit, die Kreditvergabe zu limitieren, sind weit und breit nicht zu erkennen, wie auch die Bundesbank einräumen muss. Beispiel Bankensektor: “Im Niedrigzinsumfeld entstehen Risiken für das Finanzsystem.” Auch das wird kaum jemand bestreiten. Aber Solvabilität und Liquidität zumindest der deutschen Banken und Sparkassen stehen außer Frage, Eigenkapitalausstattung und Risikotragfähigkeit wurden seit 2010 deutlich verbessert, die Problematik fauler Kredite ist hierzulande eher schwach ausgeprägt.

Das Bild ist nicht nur gemischt, sondern diffus, und das Sowohl-als-auch macht es der Bundesbank schwer, mit ihren Warnungen vor den zweifellos bestehenden Stabilitätsrisiken beim Publikum durchzudringen. Dass das ganze Leben eine gefahrgeneigte Tätigkeit ist, wissen wir ja alle schon.

Ein paar weitere Gewissheiten gibt es auch noch in unserer Welt der Ungewissheit, und da lohnt die Lektüre des Finanzstabilitätsberichts durchaus. Etwa diese: Die weltweite Verschuldung des öffentlichen Sektors und teilweise auch der Unternehmen signalisiert akuten Handlungsbedarf. Man schaue sich die Kurven an. Wem es von der ganzen Unsicherheit noch nicht schwummerig ist, der könnte spätestens angesichts dieser Kreditblase Schwindelanfälle erleiden.

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