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Börsen-Zeitung: Zeit für ein Zeichen, Kommentar zu Volkswagen von Claus Döring

Frankfurt (ots) – Hans Dieter Pötsch ist – dem wird niemand in der Wirtschafts- und Finanzwelt ernsthaft widersprechen – ein fähiger Manager und eine integre Persönlichkeit. Dass es dem langjährigen Finanzvorstand und jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden von Volkswagen immer um die Sache und nicht ums eigene Ego ging und geht, ist glaubwürdig. Er hat sich im September vorigen Jahres vom Aufsichtsrat in den Dienst der Sache stellen lassen, nämlich der Aufklärung des Dieselskandals und der Bewältigung seiner Folgen für den Konzern. Das ist nicht allein Pötschs Wahrnehmung, sondern auch die vieler Mitstreiter in- und außerhalb des Unternehmens.

Doch Pötsch muss sich fragen lassen, wie er dieser Sache künftig noch dienen kann und ob sein Festhalten am Aufsichtsratsvorsitz nicht am Ende für VW zum Bärendienst wird. Denn mit der Ausweitung der staatsanwaltlichen Ermittlungen auf seine Person haben sich die Rahmenbedingungen für die Aufarbeitung des Skandals verändert. Mit der Strafanzeige durch die Finanzmarktaufsicht BaFin und die Ermittlungen der Staatsanwälte ist er vom Treiber zum Getriebenen der Aufklärung, vom Richter über Verfehlungen zum Beschuldigten geworden. Das ist keine Semantik, sondern hat handfeste Folgen für die Arbeit Pötschs als Aufsichtsratsvorsitzender. In vielen Fragen, die jene Zeit betreffen, als Pötsch noch dem Vorstand angehörte, wird er künftig befangen sein und sich nicht äußern dürfen. Gerade seine Erfahrung als langjähriger Vorstand und das Wissen um die Vorgänge aber waren es, weshalb Pötsch von den Großaktionären auf dem Höhepunkte der Krise vom Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrats geholt wurde.

Zur Wiedererlangung des Vertrauens müsse alles auf den Tisch kommen, sagte Pötsch jüngst im Interview der Börsen-Zeitung. Das wird ihm künftig als Beschuldigtem nicht mehr gelingen, schon gar nicht in der Wahrnehmung von außen. Wenn Pötsch seinem Auftrag und Ethos treu bleiben will, sollte er ein Zeichen seines Aufklärungswillens setzen und – ungeachtet unterschiedlicher Rechtsauffassungen von Konzern und Finanzaufsicht – den Vorsitz im Aufsichtsrat in andere Hände legen. Das wäre der beste Dienst, den er Volkswagen zum jetzigen Zeitpunkt erweisen kann. Denn der Konzern braucht an der Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat Persönlichkeiten, deren Handlungsfähigkeit nicht durch mögliche Verfehlungen der Vergangenheit eingeschränkt ist. Der um einen Zukunftspakt ringende Konzern sollte nicht Gefahr laufen, immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt zu werden.

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