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Börsen-Zeitung: Zeitenwende am Ölmarkt, ein Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) – Die Perspektiven für einen nachhaltigen Anstieg des Ölpreises haben sich in der gerade beendeten Handelswoche spürbar verschlechtert. Deutlich geworden ist das daran, dass die US-Lagerbestände an Rohöl binnen einer Woche um rekordhohe 14,4 Millionen Barrel gestiegen sind. In den 34 Jahren, in denen die US-Regierung diese Daten erfasst, hat sie niemals einen Lageraufbau in einem derartigen Ausmaß beobachtet.

Zwar muss man die Daten in Zusammenhang mit einem ähnlich hohen Lagerabbau ein paar Wochen vorher sehen. Dennoch ist der Trend beunruhigend. Er zeigt klar an, dass die Strategie Saudi-Arabiens gescheitert ist, mit Hilfe eines Preiskriegs unliebsame neue Konkurrenten aus dem Markt zu werfen, um so den Ölpreis langfristig zu stützen.

Dass die Welt weiterhin in Öl schwimmt, ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass es sogar den Produzenten mit besonders hohen Kosten gelungen ist, ihre Aufwendungen deutlich zu reduzieren. So wird in der Branche geschätzt, dass in der nordamerikanischen Schieferölbranche die Produktion eines Barrels (159 Liter) im Durchschnitt nur noch rund 23 Dollar kostet. Das liegt zwar noch deutlich über den ultraniedrigen Kosten der Saudis von knapp 9 Dollar, ist aber auch nicht mehr meilenweit davon entfernt.

Angesichts des Scheiterns ihrer Niedrigpreisstrategie haben die Saudis auf einen anderen Kurs umgeschwenkt, was sich auch in der Auswechslung des langjährigen Ölministers Ali al-Naimi widerspiegelt. Sein Nachfolger Khalid al-Falih strebt eine Stabilisierung des Ölpreises mit Hilfe von Kartellabsprachen innerhalb und außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) an. Dabei sieht er sich allerdings ähnlich großen Hindernissen gegenüber wie sein Vorgänger al-Naimi bei dem Versuch, Wettbewerber über den Preis aus dem Markt zu drängen.

Das Problem liegt aktuell darin, dass die Öl produzierenden Länder angesichts der im historischen Vergleich immer noch sehr niedrigen Einnahmen pro Barrel darauf angewiesen sind, auf Teufel komm raus zu produzieren, um ihre Staatshaushalte zu stabilisieren. Vor diesem Hintergrund ist bereits eine Deckelung der Fördermengen schwierig durchzusetzen, die notwendige Vereinbarung einer deutlichen Reduzierung der weltweiten Ölförderung aber schier unmöglich.

Zwar haben sich die Opec-Länder am 28. September in Algier grundsätzlich darauf geeinigt, ihre Förderung auf 32,5 bis 33 Mill. Barrel pro Tag (bpd) zu reduzieren. Aber selbst für den Fall, dass das untere Ende der Spanne durchgesetzt werden kann, würde sich das Überangebot nur um 11 Prozent reduzieren. Um aber tatsächlich auf eine Opec-Förderung von nur 32,5 Mill. bpd zu kommen, müssten sich die Mitglieder des Kartells bereiterklären, ihre Förderung um 900.000 bpd zu kürzen. Angesichts der Zwietracht innerhalb der Organisation erscheint dies unrealistisch.

Wie die Internationale Energieagentur IEA schätzt, wird eine Opec-Produktion von 32,5 Mill. bpd die weltweiten Lagerbestände im Jahresverlauf wohl nur um 36,5 Mill. Barrel reduzieren. Angesichts der Tatsache, dass die gelagerten Mengen derzeit um 322 Mill. Barrel über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegen, fällt das kaum ins Gewicht. Es kommt also darauf an, auch große Produzenten außerhalb der Opec wie Russland ins Boot zu holen, was aber schwierig ist, da sogar innerhalb der Opec Länder wie Iran, aber auch Libyen, Irak und Nigeria verlangen, von Obergrenzen grundsätzlich ausgenommen zu werden.

Kurz- und mittelfristig sieht es also nicht danach aus, dass sich der Ölpreis ausgehend vom aktuellen Niveau nachhaltig erholen wird. Aber auch langfristig sind die Perspektiven aus Sicht der Ölproduzenten und der Anleger alles andere als rosig. Zwar hat jetzt noch einmal der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Mazourei, darauf hingewiesen, dass in der globalen Ölindustrie eine sehr große Anzahl von Erschließungs- und Modernisierungsprojekten auf Eis liegt.

Unterlassene Investitionen könnten leicht zu einer Unterversorgung in der Zukunft führen. Das galt zumindest in der Vergangenheit. Allerdings werden fossile Energieträger immer schneller von erneuerbaren Energiequellen abgelöst. So schätzt die Energieagentur, dass 2015 erstmals weltweit mehr Energieerzeugungskapazitäten auf Basis erneuerbarer Energien installiert worden sind als auf Basis fossiler Energieträger. Bis 2021 soll der weltweite Marktanteil erneuerbarer Energiequellen – ohne den Transportsektor – bei 42 Prozent liegen. In einem somit grundsätzlich veränderten Umfeld dürfte der Ölpreis auch langfristig kaum nachhaltig steigen.

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