EU cookie consent script EU cookie law Mythen über Griechenlands Krise, die Ihr nicht mehr glauben solltet
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Vier Mythen über Griechenlands Krise, die Ihr nicht mehr glauben solltet…

Diskutieren wir dieser Tage über das griechische Schuldendrama, fallen ganz schnell immer dieselben Platitüden von horrenden Kosten, hilflosen Griechen und den Musterkindern, die sich doch auch gesund gespart haben. Zeit, mit ein paar der grundlegendsten Mythen aufzuräumen.

Wir (Deutschland) helfen Griechenland

Nein, genau genommen helfen wir Griechenland nicht. Von den 230 Milliarden Euro, die das zweite Hilfspaket 2012 umfasste, hat Griechenland nur 27 Milliarden für den eigenen Staatshaushalt verwendet. Der Großteil, 88 Prozent, gingen allein für den Schuldendienst drauf. Griechenland hat damit Altschulden bezahlt, seine bedrohten Banken gerettet, die sich am Finanzmarkt nicht mehr finanzieren können und Zinsen für seine Schulden bezahlt.

Das ist keine Hilfe für Griechenland, denn weil die zwei bisherigen Hilfspakete nur Kreditpakete waren, haben sie inklusive der Zinslast Griechenlands Schulden nur erhöht statt sie zu senken – und das quasi ohne dass irgendetwas von dem Geld wirklich in dem Land ankam.

Griechenland kostet Deutschland Milliarden

Nein, das ist ein Trugschluss. Erstens geben wir Griechenland wie erwähnt nur Kredite. Das bedeutet, dass Griechenland uns das geliehene Geld mit Zinsen zurückzahlen muss. Diese Zinsen hat Griechenland übrigens bisher immer pünktlich bedient. Eine Anfrage der Linken im Bundestag ergab im Frühjahr, dass Deutschland daran bereits 360 Millionen Euro verdient hat.

Noch viel mehr Geld verdienen wir aber durch einen Nebeneffekt der Euro-Krise: Die Zinsen für deutsche Staatsanleihen sind seit 2010 von durchschnittlich 2,78 auf aktuell rund 0,83 Prozent gesunken. Das liegt daran, dass Anleger vermehrt auf die sicheren deutschen Staatsanleihen zugreifen anstatt auf unsicherere Anleihen aus den Peripherieländern.

Das reduziert die Zinslast, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Bundeshaushalt einkalkulieren muss. 2010 gab Deutschland noch 33,1 Milliarden Euro für Zinsen auf seine Schulden aus. 2015 rechnet Schäuble nur noch mit 26,7 Milliarden. Das ist allein in diesem Jahr eine Ersparnis von 5,4 Milliarden Euro. In den letzten fünf Jahren summieren sich die Zusatzeinnahmen dadurch auf rund 11 Milliarden Euro.

Die niedrigen Zinsen für deutsche Staatsanleihen machen übrigens die Griechenland-Kredite zu einem doppelten Gewinngeschäft: Das Geld für die Kredite stammt nämlich nicht aus dem Bundeshaushalt. Deutschland leiht sich zu seinen niedrigen Zinssätzen Geld am Finanzmarkt und verleiht das zu höheren Zinsen an Griechenland weiter.

Ein Grexit wäre das Beste – für Griechenland und für uns

Wir sind uns nicht sicher, ob hinter diesem Mythos die Annahme steht, dass bei einem Grexit sämtliche griechischen Schulden verschwinden oder wir Griechenland plötzlich kein Geld mehr geben müssten. Beides wäre jedenfalls falsch.

Griechenland hat derzeit den Vorteil, dass sich das Land von anderen Euro-Ländern zu vergleichsweise niedrigen Zinssätzen Geld leihen kann. Tritt Griechenland aber aus dem Euro aus, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Die Zinsen für griechische Staatsanleihen würden also hochschnellen und Griechenlands Schulden würden nur noch mehr wachsen. Die Chance, diese jemals zurückzuzahlen – also auch unsere Kredite – wäre verschwindend gering. Für Deutschland bedeutet das Kosten von rund 80 Milliarden Euro.

Auch Griechenlands Wirtschaft würde unter einem Grexit leiden. Griechenland könnte etwa seinen Staatsbediensteten keine Gehälter mehr zahlen, die wiederum nicht konsumieren. Zudem ist Griechenland ein Nett-Importland, es könnte also seine Importe nicht mehr bezahlen. Der Tourismus würde leiden, denn das jetzige Euro-System macht für Europäer einen Griechenland-Urlaub sehr attraktiv.

Andere Krisenländer wie Portugal und Irland haben gespart und jetzt geht es ihnen wieder besser

Wenn Europäer dieser Tage Reformen von Griechenland verlangen, verweisen sie gerne auf die vermeintlichen Musterkinder Irland und Portugal, denen die harten Einschnitte doch auch geholfen hätten.

Weit gefehlt: In Portugal und Spanien liegt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf heute noch immer um bis zu sieben Prozent tiefer als zum Höhepunkt der Krise 2010. In Irland ging es zwar leicht bergauf, aber nur halb so stark wie etwa in Deutschland.

Auch die Arbeitslosigkeit ist in Spanien und Portugal seitdem sogar noch gestiegen. Wer noch einen Job hat, arbeitet mehr als noch vor fünf Jahren. Rund eine Million Menschen mehr als zum Höhepunkt der Krise sind in Spanien, Portugal und Irland von Armut bedroht, zwei Millionen zusätzliche Menschen leben in Haushalten mit geringem Einkommen.

Zum Vergleich, in Deutschland sehen die Zahlen so aus: Das BIP pro Kopf ist um vier Prozent seit 2010 gestiegen, die Zahl der Arbeitslosen ist um zwei Prozent gesunken, die Zahl der Arbeitsstunden um ein Prozent. Die Zahl der von Armut bedrohten Menschen ist zwar um 250.000 gestiegen, die Zahl derer, die in Haushalten mit geringen Einkommen leben, allerdings um 950.000 gesunken.

 


Quelle: Finanzen100